Artenvielfalt im Garten


Viele Tiere im Garten zu haben, sie zu beobachten und ihre Gewohnheiten kennzulernen, war für uns schon immer spannend. Mit wenigen Mitteln gelang es uns in den vergangenen Jahren, verschiedene Vogelarten und Insekten in unseren Garten zu locken, die wir bis dato vermissten.

Doch was benötigen die Tiere, um sich in einem Garten, auch wenn er vielleicht nur klein ist, oder auf einem Balkon wohlzufühlen? Bei den Vögeln beginnend sind dies sicherlich Futterstellen aber auch Möglichkeiten zum Nisten. So verfügt unser nicht allzu großer Garten über Büsche und hohe Tannen sowie Fichten. In den Büschen sowie in unserer Efeuwand bauen vor allem die Amseln ihre Nester. In den Fichten tummeln sich bevorzugt Meisen, die gern die Fichtensamen fressen. Nicht nur im Winter, sondern auch im Frühling und Sommer haben wir in unserem Garten mindestens eine Futterstelle bestückt. Da die Artenvielfalt und die Zahl der Insekten stark zurückgeht, können die Vögel auf weniger natürliche Nahrungsquellen zurückgreifen, so dass wir unsere Vogelhäuser ganzjährig mit Körnern, Nüssen und Haferflocken befüllen (dazu stellen wir manchmal auch selbst Vogelfutter her). So zählen Spatzen, Amseln, verschiedene Meisenarten, Rotkehlchen und seit der vergangenen Saison ein Starenpärchen zu unseren Gartenbesuchern. Wenngleich wir nicht wirklich naturnah, sondern in einem Wohngebiet leben, kommen wir durch ein kleines Wäldchen, den nahegelegenen Friedhof mit hohem Baumbestand sowie durch einige alte Obstbäume auf den gegenüberliegenden Wiesen in den Genuss des regelmäßigen Besuchs von Grün- und Buntspechten. Auch ein Eichelhäher, der Dompfaff und der Zaunkönig zählen zu unseren Gästen. In unserem Garten haben wir einen Nistkasten für Meisen aufgehängt und sind gespannt, wann bzw. ob sich die munteren Gesellen dort einfinden. Übrigens locken wir die Meisen und Spatzen auch erfolgreich mit Filzwolle an, die auf der Terrasse in einem Karton deponiert ist. In der Zeit des Nestbaus kommen die kleinen Vögel täglich dutzendfach, um sich aus der Kiste zu bedienen und ihre Nester mit der weichen Wolle auszupolstern. Wir haben immer viel Spaß, wenn wir die lustigen Burschen mit ihren weißen Vollbärten aus Wolle schwerbeladen davonfliegen sehen.

Besondere Freude bereiten uns allerdings die Rabenkrähen. So konnten wir eine Rabenkrähe durch Klopfgeräusche an der Fensterscheibe konditionieren. Ertönten die Klopfzeichen gab es Futter, was die Rabenkrähe innerhalb nur eines Tages verinnerlicht hatte. Nun kommt sie regelmäßig morgens gegen sieben Uhr auf unsere Terrasse geflogen und holt sich Nüsse ab. Dabei geht sie immer nach demselben Ritual vor: Sie landet auf der Turnstange, sondiert die Lage, hüpft dann einmal um den Gartenteich herum, holt das Futter ab und legt dieses am Ufer des Teichs ab. Nach jedem Happen wird ein Schluck getrunken und der letzte Bissen für das rangniedere Jungtier aufbewahrt, was zuverlässig nach kurzer Zeit ebenfalls im Garten landet. Mittlerweile kennen die Rabenkrähen unsere Stimmen und warten auf dem Giebel des Nachbarhauses darauf, dass wir Futter auslegen. Insgesamt scheinen die sonst sehr scheuen Tiere zutraulicher geworden zu sein und fliegen nicht mehr weg, wenn wir uns im Esszimmer bewegen. Auch landen sie mittlerweile direkt ohne vorherigen Sondierungsspaziergang auf der Terrasse, was wir als weiteren Vertrauensbeweis werten. Besonderen Spaß haben wir daran, wenn die Rabenkrähen Walnüsse knacken. Sie platzieren die Nüsse entweder so geschickt auf der Straße, dass ein Auto die Knack-Arbeit für sie erledigt oder sie lassen die Nüsse von einer Laterne fallen, so dass diese auf dem Asphalt aufplatzen. Ein großer Konkurrent in Sachen Nüssen sind natürlich die geschickten Eichhörnchen, die die Rabenkrähen um manche Nuss erleichtern. Wir haben verschiedene Eichhörnchen in unserem Garten, von rotbrauner bis hin zu ganz dunkler Färbung, die wir mit Haselnüssen versorgen.

Unser besonderes Garten-Highlight ist jedoch der Besuch einer Waldohreule. Diese sitzt tagsüber in einer der hohen Tannen und macht ein Verdauungsschläfchen. Am späten Nachmittag bzw. frühen Abend fliegt sie völlig geräuschlos davon. Nachts hörten wir die Waldohreule gerade im Winter (Balzzeit) vermehrt rufen. Nach erfolgreicher Verpartnerung legen Waldohreulen bereits im März ihre Eier ab. In mondhellen Abend- und in den frühen Morgenstunden lässt sich die Eule manchmal am Himmel sehen, wie sie lautlos durch die Luft gleitet. Als wir die Eule das erste Mal tagsüber in unserem Garten entdeckten, waren wir ganz sprachlos. Mitten im Wohngebiet am helllichten Tage solch einen besonderen Vogel zu sehen, den wir vorher noch nie live in unserem Wohngebiet beobachtet, sondern nur nachts rufen gehört haben, war ein ganz besonderes Erlebnis. A propos nachts: Aufgrund von Kotspuren waren wir uns bereits vor einiger Zeit sicher, dass wir einen Marder im Garten haben. Eine auf der Terrasse aufgestellte Kamera soll nun Klarheit bringen, welches Tier da nachts sein Revier erkundet. Den Entschluss, unsere Meerschweinchen in den Sommermonaten auf die Terrasse auszuquartieren, vertagen wir also lieber noch einmal.

Der erwähnte Teich trägt ebenfalls zur Artenvielfalt in unserem Garten bei. Ab März treten wie von Zauberhand die Molche in Erscheinung, die sich dann für einige Monate im Teich tummeln und diesen als Laichgewässer nutzen. Ihre Paarungszeit beginnt im April. Da unser niedriger Teich von Seerosen, Uferschilf und viele Sumpfpflanzen bewachsen ist, finden die Molche Schutz vor Vögeln und Sonneneinstrahlung. Ebenso leise wie sie gekommen sind, verschwinden sie in den heißen Sommermonaten wieder. Wo ihr Winterquartier ist, haben wir bisher nicht herausgefunden, vermuten aber die Obstwiesen in der Nachbarschaft als Unterschlupf für die Winterstarre. Auch ist das Frühjahr die Zeit der Libellen. Die Larven haben im Schlamm am Grunde des Teiches überwintert und sind bei wärmeren Temperaturen wieder unter der Wasseroberfläche zu sehen. Etwa im April entsteigen sie dem kühlen Nass und beginnen, beispielsweise an ein Schilfrohr geklammert, mit ihrer Verwandlung zur Libelle. Die Larvenhaut platzt auf, wird abgestreift und nach wenigen Stunden ist der Aushärtungsprozess von Panzer und Flügeln abgeschlossen, die Libelle fliegt davon. Wir haben viele verschiedene Arten von Libellen im Garten, darunter verschiedene Teichjungfern, Segel- und Schlanklibellen, die in den schönsten Farben, von Gold über Grün, Blau und Rot, schillern. Unser Teich misst übrigens nur wenige Zentimeter Wassertiefe, so dass dort keine Fische beheimatet sind. In der Vergangenheit betrug die Wassertiefe 1,20 m, die wir jedoch mit Hilfe von Kies deutlich verringerten, damit in einem unbeaufsichtigten Moment keine Kinder zu Schaden kommen. Übrigens kommt in beinahe jedem Frühjahr ein Stockentenpärchen zu uns in den Garten geflogen und sieht sich den Teich an. Durch die hohe Bewachsung des Teichufers scheint dieses als Nistplatz in Frage zu kommen. Wir haben die Enten jedoch bisher immer sanft “vertrieben”, da wir einige streunende Katzen im Garten haben und die Eier bzw. Entenküken in Bodennähe wohl kaum eine Überlebenschance hätten.

Die Sumpflilien, die rund um den Gartenteich wachsen, locken in den Sommermonaten eine Vielzahl von Insekten, vor allem jedoch die Libellen, an. Verschiedene Insektenhotels, die man einfach selbst bauen kann, geben Insekten wie Bienen oder Käfern Unterschlupf. Wir mähen unseren Rasen, der vielmehr eine Wiese ist, ferner nicht wöchentlich und lassen, wenn wir mähen, eine Hälfte unberührt. Hier können also nach Herzenslust Gräser, Gänseblümchen, Wiesenklee, Günsel, Hahnenfuß, Acker-Witwenblumen, Wiesenmargeriten, Löwenzahn, Gundermann und Gänsefingerkraut wachsen und Bienen, Hummeln und Schmetterlinge anlocken. Wir haben für diese Pflanzenauswahl keine spezielle Aussaat vorgenommen, sondern einfach das wachsen lassen, was da war. Nachdem wir einige Jahre lang nur wenige Schmetterlinge im Garten beobachten konnten, ist die Zahl von Zitronenfalter und Kohlweißling wieder etwas gestiegen. Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge oder den Admiral haben wir allerdings schon seit Jahren nicht mehr in unserem Garten gesehen. Doch die benachbarten Streuobstwiesen und unsere bunte Wiese locken die selten gewordene Holzbiene an, die mit ihrer beeindruckenden Größe und der dunklen Färbung deutlich aus der Schar der anderen Insekten heraussticht. Die Holzbiene verhält sich Menschen gegenüber nicht aggressiv, so dass sie sich gut beobachten lässt. Bei uns im Garten wachsen, neben blühenden Sträuchern, unserer Teichbepflanzung und den Wiesenblumen, übrigens primär Frauenmantel, Rosen und Lavendel, welche den Vorteil bieten, dass sie von Frühjahr bis weit in den Herbst hinein blühen und von Insekten angeflogen werden. Im Halbschatten haben wir ein kleines Kräuterbeet mit Rosmarin, Zitronenmelisse, Salbei und Thymian und angelegt.

Unser Tipp für einen vielfältigen Garten: kein englischer Rasen, sondern eine Wiese mit Blumen und Kräutern, die auch etwas höher wachsen kann (alternativ können Balkonkästen mit Wildblumenaussaat bepflanzt werden), Insektenhotels und ganzjährige Futterstellen für Vögel einrichten und Nistkästen aufhängen (ebenfalls auf Balkonen möglich). Für eine Artenvielfalt im Garten sind Blumen, die möglichst lang blühen, wichtig. Zu den Dauerblühern gehören beispielsweise Islandmohn, Prachtkerze, Katzenmine und Goldkörbchen. Begonien, Geranien, Fuchsien und Petunien verwandeln jeden Balkon in ein Farbenmeer. In vielen Gärten geht der Trend dazu, immer mehr hohe Bäume zu fällen, welche jedoch nicht nur Herberge für Vögel und Eichhörnchen, sondern auch nicht zu unterschätzende Schattenspender sind. Wer dennoch große Bäume fällen muss, kann diese durch kleine Bäume, wie beispielsweise Apfeldorn, Blumenesche, Zierkirsche, Judasbaum, die Chinesische Wildbirne oder den Weißen bzw. Schwarzen Maulbeerbaum, ersetzen. Ein weiterer Trend sind, meist im Vorgartenbereich, Schottergärten, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen, da sie pflegeleicht sind. Eine Alternative, um Vorgärten oder Teilbereiche des Gartens pflegeleicht zu gestalten, ist Rindenmulch und darunter verlegtes Gartenvlies. Im Rindenmulch finden Maulwurfsgrillen und Erdhummeln ein Zuhause, zudem gibt es kaum Besiedelung durch Unkraut.