Achtung, Krötenwanderung!


In unseren diesjährigen Winterferien sind wir hin und wieder früh morgens auf dem Schurwald unterwegs gewesen, um Kröten zu beobachten. Denn entlang der sogenannten Krötenzäune, die Ende Februar errichtet werden, tummeln sich in den Morgen- und Abendstunden zahlreiche Kröten und Frösche, die sich bis in den April hinein auf den Weg zur Paarung und Laichablage machen.

Dabei sind einige der Kröten in die im Boden vergrabenen Fangeimer gepurzelt und werden morgens und abends von ehrenamtlichen Helfern über die Straße zu ihrem Laichgewässer bzw. wieder zurück getragen. Denn viele Kröten fallen dem Straßenverkehr zum Opfer, so dass ehrenamtliche Unterstützung von freiwilligen Tierfreunden zum Schutz der Amphibien nach wie vor sehr wichtig ist. Auch Gullis werden von den Helfern kontrolliert, da Kröten oft in diese hineinstürzen. Im Laichgewässer angekommen, legen die Kröten und Frösche ihren Laich ab. Nach der Laichablage treten sie ihren Weg zurück an – dann allerdings nicht so geballt, so dass die letzten Kröten erst in den Sommermonaten zurückwandern. Ebenfalls in den Sommermonaten und bis in den Herbst hinein verlassen die jungen Kröten ihr Geburtsgewässer. Auch auf dieser Wanderung werden unzählige Tiere auf der Straße überfahren. Doch eine Betreuung bis zur letzten Krötenwanderung im Herbst durch freiwillige Helfer wäre ehrenamtlich leider kaum zu leisten.

Und auch Hans-Jörg Kaifel von der Interessengemeinschaft Amphibienschutz Rems-Murr erzählt uns leider nicht viel Gutes zum Thema Amphibiennachwuchs, denn laut seiner Aussage werden sogar nahezu 100 Prozent der jungen Kröten und Frösche, die ihr Geburtsgewässer verlassen und nicht Opfer natürlicher Feinde werden, von Autos überfahren. Seit einiger Zeit nimmt deshalb die Population der Kröten stark ab und es ist davon auszugehen, dass die Erdkröte in einigen Jahren wieder zu einer bedrohten, schützenswerten Tierart zählen wird, wie bereits in den 1960er und 1970er Jahren. Umso unverständlicher, dass eine Art erst bedroht sein muss, bevor entsprechende Maßnahmen zum Artenschutz, wie beispielsweise ganzjährige Fangzäune oder die Bezahlung von freiwilligen Helfern, ergriffen werden. “Doch es gibt auch kleine Lichtblicke.”, erzählt uns Kaifel, der uns in der Dunkelheit zu einer abendlichen Begehung entlang der Krötenzäune mitgenommen hat, um uns mehr über die Amphibien zu erzählen. So sollen beispielsweise auf der Landstraße Richtung Baltmannsweiler (Landkreis Esslingen), die Kaifel unter anderem ehrenamtlich kontrolliert, noch in diesem Jahr sechs neue Tunnel unter der Straße angelegt werden, mit Hilfe derer nicht nur Kröten, Frösche, Molche und Salamander, sondern auch Füchse, Marder und Igel der Gefahr durch Autos entgehen. Die Stadt Schorndorf hat solch ein Amphibienschutzsystem bereits vor einigen Jahren in Richtung Oberberken erfolgreich eingeführt und entlastet so die ehrenamtlichen Helfer wie Hans-Jörg Kaifel, die durch ihr Engagement allein rund um Schorndorf in jedem Frühjahr mehr als 2.000 Kröten und anderen Amphibien das Leben retten.

Spannend ist auch, was uns Kaifel Wissenswertes über die Kröten erzählt. So kann eine Erdkröte beispielsweise 150 bis 200 Nacktschnecken pro Woche fressen, dürfte also in Gärten und bei Gemüsebauern eigentlich ein gern gesehener Gast sein. Auch Schädlinge, wie den Borkenkäfer, vertilgt die Erdkröte gern. Ein einzelnes Tier hält so bis zu 10 Quadratmeter Waldboden frei von Schädlingen. Und auch lustige Anekdoten hören wir von Hans-Jörg Kaifel. Beispielsweise, dass Erdkröten keine “Fressbremse” haben. Gibt es ausreichend Futter, können sie sich mit Käfern so vollfressen, dass ihre Beine den Boden kaum noch berühren. Doch die Kröten haben die Möglichkeit, ihren Stoffwechsel anzukurbeln, so dass die Verdauung beschleunigt und rasch Platz für neues Futter geschaffen werden kann.

Auf unserer kleinen Führung treffen wir auch auf Frösche. Ein Grasfroschweibchen, das gerade seine Eier im Tümpel abgelegt hat, befindet sich auf dem Rückweg in den nahen Wald und wird von Hans-Jörg Kaifel über die Straße getragen. Dabei erklärt er uns die Anatomie des Grasfrosches. Etwa, dass der schwarze Fleck neben dem Auge das Trommelfell ist und dass nur die männlichen Frösche eine Stimme haben und die Weibchen in der Paarungszeit durch lautes Quaken anlocken. An einem Tümpel angekommen, können wir im Schein unserer Taschenlampen eine große Fläche Laich erkennen. Teilweise sind ganz frisch abgelegte Ansammlungen mit Eiern dabei, die vom selben Tag stammen und aus denen mehrere Tausend Kaulquappen schlüpfen werden. Doch auch hier werden, aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, des Klimawandels und der natürlichen Fressfeinde, nur einige wenige Tiere überleben, was uns nachdenklich und traurig stimmt. Noch einmal leuchtet die Tochter mit der Taschenlampe in alle Fangeimer, doch für heute Abend sind alle gefangenen Tiere sicher über die Straße gebracht und in die Freiheit entlassen worden. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages werden Hans-Jörg Kaifel und sein Team wieder die Zäune und Eimer kontrollieren und mit ihrer unermüdlichen Arbeit für den Amphibienschutz weitermachen. Toll, dass es diese ehrenamtlichen Helfer gibt.

Solltet Ihr Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit zum Schutz der Kröten bzw. anderer Amphibien haben, könnt Ihr mit der jeweiligen Ortsgruppe des NaBu – des Naturschutzbundes Deutschland e.V. in Eurer Region Kontakt aufnehmen. Der NaBu bietet nicht nur die Möglichkeit zur ehrenamtlichen Hilfe zum Schutz der Kröten, bei der man mit etwas Glück übrigens auch spannende Tiere, wie Lurche, Molche, Frösche oder sogar Blindschleichen entdecken kann, sondern auch interessante Kinder- und Familiengruppen, die sich ehrenamtlich engagieren – beispielsweise zum Schutz von Vögeln, Amphibien und Fledermäusen sowie zur Pflege von Nistkästen, Biotopen oder Streuobstwiesen. Mehr Informationen gibt es unter www.nabu.de.

 

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