Lesetipp: „Ein Freund wie kein anderer“


Rezension

Aktuell haben wir ein wunderbares Buch aus dem Thienemann-Esslinger Verlag kennengelernt. Es heißt „Ein Freund wie kein anderer“ und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Erdhörnchen und einem Wolf. Warum wir dieses Buch so mögen? Insbesondere wegen seiner Sozialverträglichkeit und dem Mut, den die Protagonisten aufbringen, um ihre bemerkenswerte Freundschaft zu leben und zu bewahren. Autor Oliver Scherz, dessen Interview Ihr am Ende des Artikels lesen könnt, gelingt mit „Ein Freund wie kein anderer“ ein wunderbarer Spagat zwischen Spannung und Witz, Behutsamkeit und Feingefühl.

Zum Inhalt

Alles beginnt damit, dass sich Erdhörnchen Habbi unerlaubt im Wald auf Futtersuche begibt und dort einen verletzten Wolf findet, der halb unter Geröll begraben ist. Der Anblick des hilflosen Wolfes lässt Habbi keine Ruhe, so dass er am nächsten Tag wieder in den für ihn eigentlich verbotenen Wald läuft, um dem Wolf zu helfen. Stück für Stück befreit Habbi den Wolf, der Yaruk heißt, von den Steinen. Doch der Wolf ist nach seiner Rettung wenig dankbar, wirkt deprimiert und kraftlos und schleppt sich verletzt davon. Habbi findet Yaruk in einer Höhle, in die er sich zum Sterben zurückgezogen hat. Mit tröstenden Worten und gutem Essen (Nüsse und Beeren aus der heimatlichen Speisekammer) versucht Habbi, den Wolf aufzupäppeln – immer auf der Hut, damit seine Eltern und Geschwister nicht erfahren, um wen er sich da kümmert. Als Habbi dem Wolf einen Kräuterverband anlegt, beginnt dessen verletztes Bein tatsächlich zu heilen und er kommt zu Kräften. Am vierten Tag verlässt Yaruk zum ersten Mal die Höhle und erzählt Habbi von seinen ungestümen Tagen als junger Wolf im Kreis seiner Familie. Als Yaruk besser laufen kann, zeigt er Habbi das mächtige Tal der Wölfe, in dem seine Eltern und Geschwister leben. Doch zurückkehren kann Yaruk vorerst nicht, da er aufgrund seiner Verletzung nun das schwächste Glied innerhalb der Familie gewesen wäre. Zwischen Habbi und Yaruk entwickelt sich eine Freundschaft und ihr Vertrauen zueinander wächst ganz allmählich. So rettet Yaruk den kleinen Habbi beispielsweise vor dem Ertrinken.

Als Habbis Bruder Hebbe den Wolf jedoch eines Tages zusammen mit seinem Bruder entdeckt und im Dorf der Erdhörnchen Alarm schlägt, wird die Freundschaft zwischen Yaruk und Habbi auf eine harte Probe gestellt. Denn ein Wolf kann niemals der Freund eines Erdhörnchens sein – das lernen schon die kleinsten Erdhörnchen-Kinder. Habbis Familie alarmiert die anderen Tiere des Waldes, die Elche, Wildschweine, Hasen und Hirsche. Sie beschließen, den Wolf zu finden und ihn zu töten. Doch Habbi schafft es, Yaruk zu warnen und verhilft dem geschwächten Wolf zur Flucht. Als die Tiere des Waldes den Wolf schließlich doch stellen, weicht Habbi seinem neuen Freund nicht mehr von der Seite. Er beschließt, dem Erdhörnchen-Dorf den Rücken zu kehren und bei Yaruk zu bleiben. Im ganzen Wald und in der Prärie spricht sich die Geschichte dieser außergewöhnlichen Freundschaft herum und es kommen immer mehr Tiere, um das seltsame Paar zu bestaunen. Nun neigt sich der Herbst dem Ende zu und Habbis Mutter bittet ihren Sohn eindringlich, zu seiner Familie zurückzukehren, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Habbi muss sich entscheiden. So kehrt er in sein Erdhörnchen-Dorf und Yaruk zu seinem Rudel zurück. Doch beide wissen, dass dies kein Abschied für immer ist und freuen sich, dass sie sich im Frühling wiedersehen werden.

Unser Fazit

Was wir an diesem schönen Kinderbuch mögen, ist einerseits die Idee der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Wolf und Erdhörnchen. Andererseits gefällt uns der Mut und die Energie, mit der diese beiden Tiere, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihre Freundschaft leben und gegen äußerliche Einflüsse verteidigen. Dabei sind die Charaktere liebenswert gezeichnet und vor allem Erdhörnchen Habbi besticht durch seine Tiefgründigkeit und Empathie, als es dem verletzten, zum Sterben bereiten Wolf neue Hoffnung und neuen Lebensmut gibt. „Ein Freund wie kein anderer“ ist ein Buch zum Vorlesen und Nachdenken, mit schönen Illustrationen, einer angenehmen Sprache, einnehmenden Charakteren und einer spannenden, verständlich erzählten Geschichte von einer Freundschaft, die Grenzen überwinden kann.

Autoren-Interview

© Angela Meyer

Oliver Scherz, Jahrgang 1974, ist ausgebildeter Schauspieler und entdeckte das Schreiben von Kinderbüchern nach der Geburt seiner Tochter für sich. Heute lässt er sich von den kleinen und großen Abenteuern seiner Kindern inspirieren und bringt deren besonderen, eigenwilligen Blick auf die Welt gekonnt in seine Geschichten ein.

Lieber Herr Scherz, wo bekommen Sie die Ideen für Ihre Kinderbücher her?
Ich frage mich, was mich als Kind bewegt hat, sehe vor mir, was meine Kinder bewegt und entwickele Geschichten, die diese Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen können. Manchmal sind es auch Begegnungen oder Orte, die mich anregen. Und wenn eine Grundidee erst einmal da ist, die über einen längeren Zeitraum Bestand hat und mich packt, baue ich sie aus.

Was haben Sie als Kind am liebsten gelesen?
Ich habe überhaupt nicht gerne gelesen. Ich habe mir aber sehr gerne vorlesen lassen und mir viel selbst ausgedacht. Das Selberlesen hat mir erst nach der Schulzeit Spaß gemacht. Dass ich einmal Bücher schreiben würde, hätte ich damals nicht gedacht.

An welches Kinder-/Jugendbuch erinnern Sie sich noch heute?
An „Lari Fari Mogelzahn“ und „Pu der Bär“. Vor allem aber, wegen der Stimmen meiner Eltern beim Vorlesen. Und an „Herr der Ringe“. Bestimmt haben mich Kinder- und Jugendbücher beeinflusst, aber im Großen und Ganzen war ich lieber draußen, statt zu lesen.

Wie lang schreiben Sie an einem Buch?
Ich habe bisher hauptsächlich Vorlesebücher geschrieben und arbeite jeweils circa ein halbes Jahr daran.

Wo schreiben Sie am liebsten?
Ich schreibe zuhause, laufe aber auch viel durch die Natur, die lenkt nicht ab, gibt mir Ruhe zum Nachdenken. Manchmal schreibe ich auch im Wohnmobil, irgendwo draußen, wenn es zuhause zu laut wird.

Wenn Sie anfangen ein Buch zu schreiben, wissen Sie dann meistens auch schon, wie es ungefähr enden wird?
Ich plane ein Buch ziemlich genau vor, sonst würde ich zu oft in Sackgassen laufen. Ich stelle mir am Anfang sehr viele Fragen zur Geschichte, die ich mir alle beantworte, bevor ich das erste Wort schreibe. Für mich ist das wichtig, um einen sinnvollen Aufbau hinzubekommen. Eigentlich weiß ich also, wie die Geschichte ausgehen soll. Trotzdem ist der Weg, den eine Geschichte geht, auch ein eigener. Kapitel können sich im Laufe des Schreibens noch sehr verändern. Auch das Ende kann ganz anders aussehen, als ich es mir vorher ausgedacht habe.

Was ist für Sie das Schönste am Vater-Sein?
So vieles! Es ist die größte Herausforderung meines Lebens, eine unvergleichliche Freude und ich spüre meine Grenzen manchmal so sehr, dass ich hin und wieder über mich hinauswachsen muss und darf.

Lieber Herr Scherz, vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns schon auf Ihr nächstes Buch! Mehr Infos über Oliver Scherz erhaltet Ihr hier.

 

Bibliographische Angaben:

„Ein Freund wie kein anderer“
Autor: Oliver Scherz
Illustrationen: Barbara Scholz
Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
128 Seiten
gebunden, mit vierfarbigen Illustrationen
ISBN: 978-3-522-18457-1
Empfohlenes Lesealter: 6-8 Jahre
Preis: 14 Euro

 

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