Frisch ausgezeichnet: Molly, Trappel und das Knack


Autorin, Bloggerin und Zweifach-Mutter Jonna Struwe aus Stuttgart lauscht gerne in die Welt, ist eine begeisterte Zuhörerin und liebt das Schreiben. Aktuell ist ihr neues Kinderbuch „Molly, Trappel und das Knack“ erschienen, welches für die Longlist des Selfpublishing-Buchpreises nominiert wurde. In unserem Interview erzählt Jonna, wie es ist, der Projektmanager seines eigenen Buches zu sein und warum auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ein Traum für sie in Erfüllung gehen könnte.
Liebe Jonna, Du hast aktuell ein neues Kinderbuch mit dem spannenden Titel „Molly, Trappel und das Knack“ veröffentlicht. Um was geht es in diesem Buch?
In meinem Bilderbuch geht es um die fünfjährige Molly, die eines stillen Morgens aufhorcht, als sie ein ungewohntes Geräusch im Haus hört, ein Knacken und Knispeln. Molly kennt eigentlich alle Geräusche zu Hause – so wie jedes Kind – und merkt sofort, dass da etwas Neues sein muss. Kinder erkennen ja z.B. an den Schritten, wer ins Zimmer kommen wird, sie wissen, welche Treppenstufe knarrt, welche Tür ein bisschen quietscht, dass der Wasserhahn in der Küche anders klingt als im Bad. Und so weiter. Diese Geräusche bedeuten Geborgenheit. Und jedes Kind weiß, wenn daheim plötzlich ein neues Geräusch dazu kommt. So eben auch Molly. Und weil sie neugierig und unerschrocken ist, macht sie sich auf die Suche. Sie pirscht durch die Zimmer, bis sie den Ursprung entdeckt. Wenn man so will, erzählt mein Bilderbuch also eine kleine Geräuschsafari. Arabell Watzlawik hat das großartig illustriert und vor allem auch die Geräusche durch tolle Letterings grafisch in Szene gesetzt.

© Jonna Struwe

Dein Buch wurde kürzlich sogar ausgezeichnet – Um welchen Preis handelt es sich hierbei genau?
Mein Bilderbuch wurde für die Longlist des Selfpublishing-Buchpreises nominiert. D.h. es wurde aus 275 Einsendungen im Kinder- und Jugendbuchsegment unter die besten 10 gewählt. Ein tolle Auszeichnung, die Arabell und mich sehr stolz und glücklich macht. Der Selfpublishing-Buchpreis wird jedes Jahr vergeben in 3 Kategorien: Belletristik, Kinder- und Jugendbuch sowie Sachbuch. Ausgerichtet wird er vom Selfpublisher-Verband. Im Mai konnten Autor*innen ihre verlagsunabhängig veröffentlichten Bücher einreichen und „Molly, Trappel und das Knack“ hat sich nun für die Shortlist qualifiziert, die am 25. September bekannt gegeben wird. Auf der Frankfurter Buchmesse wird schließlich der Preis verliehen – das wäre natürlich ein absoluter Traum.

Was versteht man unter Selfpublishing und wie sah der Selfpublishing-Weg bei „Molly, Trappel und das Knack“ aus?
Selfpublishing heißt, die Entstehung eines Buches von A bis Z selbst zu gestalten, ohne Verlag. D.h. nicht zwangsläufig, alles allein zu machen, aber das Projekt „Buch“ zu managen: also ein professionelles Lektorat einzukaufen, jemanden fürs Coverdesign und ggf. Illustrationen zu beauftragen, den Buchsatz zu machen, den Druck zu finanzieren und schließlich Marketing und Vertrieb in die Hand zu nehmen. Man ist Projektmanager mit aller Verantwortung, aber auch mit aller Gestaltungsfreiheit. Bei meinem Bilderbuch hieß das: Ich musste eine Illustratorin finden, die idealerweise auch den Buchsatz übernehmen kann, denn im Bilderbuch sind Text und Bild eng verzahnt. Da muss man schon beim Zeichnen berücksichtigen, wo wie viel Text auf die Seite kommt. Und bei Molly ist durch die vielen Letterings der Text sogar oft Bestandteil des Bildes. Dann musste ich mir überlegen, wie das Buch gedruckt werden soll, ob als Print-on-Demand oder als Auflagendruck. Ich habe mich für den Auflagendruck entschieden, weil der Stückpreis im Print-on-Demand zu hoch gewesen wäre und die Druckqualität zu instabil. Print-on-Demand ist Digitaldruck. Für einen Auflagendruck kann ich Off-Set-Verfahren wählen, wo die Maschinen individuell eingestellt werden. Dafür muss man natürlich die gesamte Auflage vorfinanzieren. Damit das Buch schließlich deutschlandweit in allen Buchläden bestellbar ist, habe ich zu guter Letzt einen Vertriebspartner beauftragt. Das alles muss man gut kalkulieren, damit sich das Buch rechnet. Die Margen im Buchgeschäft sind hauchdünn für Autoren. Maximal kann man 10 Prozent vom Ladenpreis verdienen. (Das gilt übrigens auch für Verlagsautoren.) In meinem Fall sind das 1,50 EUR pro Buch.

© Jonna Struwe

Wem legst Du das Thema Selfpublishing besonders ans Herz?
Ich denke, Selfpublishing ist für diejenigen, die Spaß daran haben, die Entstehung eines Buches von A bis Z selbst zu gestalten; die bereit sind, sich reinzudenken in neue Bereiche wie Illustration, Druck, Vertrieb. Wer Spaß am Lernen hat, am Organisieren, der gewinnt durch Selfpublishing viel Freiheit. Bei einem Verlag hätte ich z.B. keinen Einfluss auf die Illustrationen gehabt. Bei „Molly, Trappel und das Knack“ konnten Arabell und ich uns dagegen gegenseitig beflügeln. Das war bereichernd und hat viel Spaß gemacht. Außerdem ist Selfpublishing etwas für Ungeduldige. Denn die Vorlaufzeiten bei Verlagen beträgt ungefähr 18 Monate. Nicht eingerechnet die langen Monate für Bewerbungen. Da vergehen schon mal zwei Jahre zwischen Schreiben und Erscheinen eines Buches.

Welche Bücher hast Du bisher noch veröffentlicht?
Bisher habe ich ein Vorlesebuch veröffentlicht, „Die kleine Omi“. Anlass waren die Geschichten, die meine Mutter erst mir und später meinen Kindern aus ihrer eigenen Kindheit erzählt hat. Wenn Kinder in das Alter kommen, in dem sie begreifen, dass Mama und Oma auch mal Kinder waren, stellen sie ja die tollsten Fragen und sind begeistert, dass Mama oder Oma auch mal Mist gebaut haben. Daraus sind die Geschichten für „Die kleine Omi“ entstanden.

Neben Deiner Tätigkeit als Buchautorin betreibst Du unter anderem den sehr erfolgreichen Blog Expatmamas. Warum ist dieser Blog so wichtig?
Ich war selbst jahrelang eine Expatmama, eine Mama im Ausland. Erst vier Jahre mit Baby und Kleinkind in UK, später mit Teenagern in den USA. Das Familienleben im Ausland ist genauso bereichernd wie fordernd und ich wäre gerade am Anfang glücklich gewesen, von anderen in einer ähnlichen Situation zu lesen, von ihren Erfahrungen zu profitieren, mich mit jemandem auszutauschen. Das war vor Social Media und ich habe damals nichts gefunden. Also habe ich selbst angefangen, über unser Leben im Ausland zu schreiben. Daraus ist nach vielen Jahren eine große Community geworden und ich habe inzwischen sogar ein paar Familien in der Vorbereitung persönlich begleitet.

© Morrison & Kin Photography

Du warst mit Deiner Familie als Expat schon zweimal im Ausland. Könntest Du Dir dieses Abenteuer nochmals vorstellen und welches wäre dann Dein Traumland?
Mit Kindern werden wir wohl nicht mehr ins Ausland gehen – Kind 1 hat Abitur, Kind 2 folgt 2024. Aber vielleicht ergibt sich noch einmal eine Möglichkeit für meinen Mann und mich? Das wäre eine neue Erfahrung, nur wir zwei. Ein Traumland habe ich nicht. Denn was man im Ausland lernt, ist: Überall gibt es einen Alltag, Dinge, die nerven. Selbst wenn man unter Palmen wohnt oder im Bullerbü-Schweden lebt. Auch im Ausland gibt es Bürokratie, durchaus unfreundliche Mitmenschen oder schlechtes Wetter. Jede Rose hat Dornen. Positiv formuliert, heißt das aber auch: Überall kann es Menschen geben, die dir ans Herz wachsen, Routinen und Feste, die dir lieb werden, Dinge, die dir guttun und die man vermisstIch glaube, man kann an vielen Orten glücklich werden. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen, in einem undemokratischen Land zu leben, ohne Meinungsfreiheit. Auch wenn es nur für eine begrenzte Zeit wäre.

Hier geht es zum spannenden Blog der Expatmamas. Und hier erfahrt ihr mehr über Jonnas Tätigkeit als Autorin und über ihre Kinderbücher.

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