Die kleine Omi: Herzensgeschichten der stillen Generation


Rezension

Ein wunderbares Kinderbuch ist frisch erschienen und wurde voll Begeisterung von uns verschlungen. “Die kleine Omi” betitelt die Stuttgarter Autorin Jonna Struwe ihre Neuerscheinung, die nicht nur durch lebensfrohe Geschichten, sondern auch durch schöne Illustrationen besticht.

Kindsein früher und heute
Doch neben den inhaltlich und grafisch toll aufbereiteten und untermalten Abenteuern der kleinen Omi, ist der vielleicht größte Gewinn dieses Kinderbuchs, dass eine eher stille, manchmal verschwiegene (Kriegs-)Generation zu Wort kommt. Eine Generation, die gelernt hat, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen und die teilweise nicht gern über Erlebtes spricht. In Jonna Struwes besonderen Geschichten ist das anders, denn hier erzählt die kleine Omi spürbar gern und ganz persönlich. Den Kindern Lena und Max berichtet sie, was sie als Kind so alles erlebt hat und wie das früher überhaupt so war. Dass sie als Mädchen beispielsweise nie Hosen tragen durfte. Dass Kinder, die fluchten, zur Beichte zum Pfarrer geschickt wurden. Oder dass sie an ihrem ersten Schultag, im Jahre 1948, nicht durch dieselbe Tür gehen durfte, wie die evangelischen Kinder – die Flüchtlingskinder. Als ich die Geschichten der kleinen Omi, die eigentlich nur Lenas und Maxˈ Leihomi ist, meiner Tochter vorlas, meinte ich beinahe, den Erzählungen meiner eigenen Oma zu lauschen, die in Bezug auf Rollenverteilung oder religiöse Dogmen manches ganz ähnlich erlebt haben dürfte. Etwa, als der im Säuglingsalter an plötzlichem Kindstod verstorbene Bruder nicht wie eigentlich üblich in der Friedhofskapelle, sondern nur in einem Raum im Rathaus aufgebahrt werden durfte, weil er zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht getauft war, wie meine Oma mir einmal erzählte.

Doch die Geschichten, die die kleine Omi schildert, sind leichter. Und gehen dennoch in die Tiefe. Jonna Struwe lässt die kleine Omi unterhaltend, lustig, spannend und ganz ohne Berührungsängste erzählen, so dass auch Lena und Max ganz genau zuhören und nachfragen. Denn wenn Kinder neugierig sind und Fragen stellen, findet das die kleine Omi klasse. Und belohnt mit einfühlsamen, unaufgeregten Antworten. Mit Antworten einer eigentlich stillen, sich zurücknehmenden Generation. Von einer Omi, die vom Kindsein von früher erzählt, aber dennoch im Kindsein von heute lebt. “Die kleine Omi” – ein wunderbares Kinderbuch-Debüt mit Herzensgeschichten. Und zugleich eine kleine Hommage an tolle Omis. Hier geht es zur kostenlosen Leseprobe.

 

Die kleine Omi
Autor: Jonna Struwe
BoD – Books on Demand
Illustrationen: Beatrice Confuss
60 Seiten mit farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-7481-1025-5
14,99 Euro
Ab 5 Jahren

 

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