Meerschweinchen als Haustiere


Da ich häufig gefragt werde, wie das so ist mit Meerschweinchen als Haustieren, möchte ich heute etwas aus unserem Alltag mit unseren beiden Meerschweinchen-Damen erzählen. Der Artikel spiegelt unsere persönlichen Erfahrungen wider, enthält also keine Empfehlungen oder Vorgaben zu Haltung, Futter oder Pflege von Meerschweinchen.

Wir haben unsere beiden Meerschweinchen-Damen seit drei Jahren bei uns. Es sind zwei Schwestern, die sechs Wochen nach der Geburt von ihrer Mutter und ihren beiden Brüdern getrennt wurden. Wir haben die Meerschweinchen über eine Annonce bei ebay-Kleinanzeigen „gefunden“ und haben sie bei einem ersten Besuch unverbindlich kennengelernt. So konnten wir uns auch von der geeigneten Umgebung und dem liebevollen, verantwortungsbewussten Umgang, den die Tiere in ihren ersten sechs Lebenswochen erfahren haben, überzeugen. Beim zweiten Termin haben wir die beiden Damen dann in einer kleinen, dick mit Heu gepolsterten Kiste mit nach Hause genommen. 25 Euro hat jedes Tier gekostet. Einen Kaufvertrag haben wir nicht abgeschlossen, hätten dies aber sicherlich tun können.

Zuhause wartete ein großer Stall auf die Meerschweinchen – gepolstert mit Zeitungen, Sägespänen und Heu sowie einem Häuschen zum Verstecken. Von Beginn an haben wir die Meerschweinchen an uns gewöhnt, sprich, wir haben sie mehrfach täglich für Streicheleinheiten aus dem Stall genommen, haben sie im Wohnzimmer, das bei uns keine Gefahrenquellen wie Stromkabel oder enge Nischen birgt, und im Garten laufen lassen (anfänglich unter einem großen, tief im Boden verankerten Gitter, das weder von anderen Tieren untergraben bzw. von oben geöffnet werden konnte). Die Meerschweinchen haben sich sehr schnell an uns gewöhnt und die Sozialisierung ging rasch und ohne Probleme vonstatten. Da wir uns aufgrund unseres wenig geschützten Gartens und den zahlreichen Nachttieren (Katzen, Marder, Iltis und Eulenvögel) für eine Stallhaltung im Haus entschieden haben, ist Freilauf drinnen und draußen für die Meerschweinchen sehr wichtig und sie bekommen ihn täglich.

Den Stall säubern wir zwei- bis dreimal pro Woche. Auf eine dicke Schicht Zeitung folgt eine Lage Sägespäne und viel Heu, das sowohl als Futter sowie als Versteck dient. Wir füttern unseren Meerschweinchen, neben Gurke, Salat, Paprika, Möhren und Fenchel, auch Körnerfutter (Mais, Weizen- und Gerstenkörner) sowie Wiesenkräuter. Eine Trinkflasche und ein Salzleckstein runden das Versorgungsangebot im Stall ab. Sind die Meerschweinchen bei gutem Wetter und warmen Temperaturen im Garten, fressen sie dort natürlich alles, was auf der grünen Wiese wächst – von Gras über Klee bis zu Löwenzahn und Spitzwegerich.

Unsere beiden Meerschweinchen-Damen verstehen sich sehr gut. Das mag vielleicht dem Umstand geschuldet sein, dass wir uns bewusst für zwei Weibchen entschieden haben. Bisher sind die beiden auch stets gesund gewesen, so dass wir nur einmal, wegen einer Bindehautentzündung, den Tierarzt aufsuchen mussten. Die Krallen schneiden wir bei unseren Meerschweinchen mit Hilfe eines Nagelknipsers selbst. Bei den hellen Krallen lassen sich die Blutgefäße gut erkennen, bei den dunklen Krallen kürzen wir nach Gefühl bzw. nach dem Motto lieber zu wenig als zu viel, um Verletzungen zu vermeiden. Da unsere Meerschweinchen meist nur über weichen Untergrund wie Teppich, Gras und Heu laufen, und sich ihre Krallen also nicht auf natürlichem Wege selbst kürzen, schneiden wir diese circa alle vier bis sechs Wochen. Zur Zahnpflege knabbern unsere Meerschweinchen übrigens gern an Weidenzweigen. So werden die Zähne nicht zu lang und Beläge schleifen sich ab. Obwohl ihr Name etwas anderes suggerieren mag – Meerschweinchen sind wasserscheu und baden nicht gern. Wir setzen unsere Damen aus diesem Grund nur alle paar Monate in ein niedrig mit lauwarmem Wasser befülltes Waschbecken und shampoonieren ihnen mit einem ph-neutralen Duschgel den Popo.

Als Haustiere für Kinder kann ich Meerschweinchen absolut empfehlen. Sie bringen viel Leben und Freude ins Haus, sind umgänglich, zutraulich und pflegeleicht. Unsere beiden Damen sind zudem recht gelehrig und zeigen beispielsweise an, wenn sie wieder in den Stall gesetzt werden möchten oder pieseln müssen. Die Körpersprache von Meerschweinchen ist, mit etwas Beobachtungsgabe, leicht zu deuten und auch Kinder können rasch ermessen, ob die Tiere sich gerade wohl fühlen, ängstlich oder hungrig sind oder ihre Ruhe haben möchten. Schön finde ich auch die Interaktion zwischen Mensch und Tier. So brummen und quieken unsere Meerschweinchen genussvoll, wenn sie gestreichelt werden und schlafen häufig ganz entspannt auf unserem Arm oder Schoß ein. Morgens werden wir mit lautem Quieken begrüßt, denn bevor wir uns an den Frühstückstisch setzen, möchten die Damen natürlich auch ihr Futter und ihre Ansprache haben. Aus diesem Grund steht der Stall bei uns im Wohn-/Esszimmer, da wir uns hier am meisten aufhalten und die Meerschweinchen sich so von Beginn an uns gewöhnen konnten. Auch bei Lärm, wie beispielsweise vom Staubsauger, bleiben die beiden gelassen.

Impfungen oder Versicherungen sind für Meerschweinchen meines Wissens nach nicht nötig. So sind unsere laufenden Kosten überschaubar und liegen durchschnittlich bei acht Euro pro Woche für Futter, Obst und Einstreu. Die Anschaffung des Stalls schlug mit etwa 50 Euro zu Buche. Auch eventuelle Tierarztkosten halten sich für Kleintiere bei einer normalen Untersuchung im Rahmen (circa 20 bis 30 Euro). Wichtig wäre noch anzumerken, dass man Meerschweinchen, die absolute Gesellschaftstiere sind, nicht allein sondern in jedem Fall zu zweit halten sollte. Zur gemeinsamen Unterbringung mit Kanninchen habe ich einmal gelesen, dass diese vermieden werden sollte, da Kanninchen und Meerschweinchen wohl eine unterschiedliche Körpersprache haben und sich deshalb nicht für eine gemeinsame Haltung eignen. Freunde von uns halten beide Tierarten gemeinsam in einem großen Freiluftgehege und hier hat es nie Probleme gewesen. Allerdings sind es auch drei Meerschweinchen und zwei Hasen, so dass jedes Tier einen entsprechenden Partner seiner Art hat.

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