Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen


Was früher die klassischen Bauchschmerzen bei Kindern waren, scheint heute dem Thema Kopfschmerz gewichen zu sein. Doch wer glaubt, dass Kopfschmerzen von Kindern vorgeschoben werden, um sich vor der Schule zu drücken, hat nicht immer recht. Denn Kopfschmerzen oder Migräne bei Kindern und Jugendlichen ist ein ernst zu nehmendes Thema und weniger eine Ausrede als ein tatsächliches gesundheitliches Problem.

Gesunde Ernährung
Kinder und Jugendliche, die unter Kopfschmerzen oder sogar Migräne leiden, gibt es immer mehr. Erschreckend ist dabei vor allem die Regelmäßigkeit. So werden die Betroffenen nicht etwa alle paar Wochen einmal von Kopfschmerzen heimgesucht, sondern leiden regelmäßig, oftmals chronisch daran. Wir Erwachsenen wissen, wie schwer es ist, sich mit schmerzendem Kopf auf die Arbeit zu konzentrieren, einer Besprechung zu folgen oder sich in neue Aufgaben einzudenken. Für Kinder ist ein Schultag mit Kopfschmerzen ebenso anstrengend durchzustehen. Dem Unterricht zu folgen oder die Hausaufgaben zu erledigen, wird zu einem Marathon – für Kinder und Eltern.

Wichtig ist, dass Eltern die Kopfschmerzen ihrer Kinder ernst nehmen und Ursachenforschung betreiben. Grundlegende Fragen sollten zuerst abgeklärt werden: Isst und trinkt das Kind in der Schule ausreichend? Geht es mit einem kleinen Frühstück im Magen aus dem Haus? Ernährt sich das Kind gesund, sprich, nimmt es genügend Vitamine in Form von frischem Obst und Gemüse zu sich? Der Kinderarzt kann hier mit einem Blutbild weiterhelfen, bei dem Werte wie Magnesium, Calcium, Schilddrüsenwerte aber auch nicht standardisierte Werte, wie beispielsweise Vitamin D, untersucht werden. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich wenig im Freien aufhalten, können, auch in jungen Jahren, unter einem Vitamin D-Mangel leiden, der sich negativ auf das Immunsystem sowie das körperliche und somit seelische Wohlbefinden auswirken kann. Auch wenn die folgenden Punkte hinsichtlich der Ernährung von Kindern hinreichend bekannt sind, sollte man sie sich immer wieder ins Gedächtnis rufen: Getrunken werden sollten, je nach Alter, zwei bis drei Liter ungesüßter Tee und Mineralwasser. Fruchtsäfte, Cola und Co. sind aufgrund ihres hohen Zuckergehalts keine Durstlöscher, sondern Dick- und Krankmacher. Einseitige Kohlenhydrate, beispielsweise helles Brot, sollten vermieden und durch vollwertige Kohlenhydrate, wie Vollkornnudeln und Vollkornbrot, ersetzt werden. Süßigkeiten können natürlich genossen werden – im normalen Rahmen und nicht als Ersatz einer Mahlzeit. Obst und Gemüse sind selbstredend wichtig und sollten täglich gegessen werden. Manche Menschen reagieren mit Unverträglichkeiten, zu denen auch Kopfschmerzen gehören können, auf Lebensmittel. Hier empfiehlt es sich, ein Ernährungstagebuch zu führen, um eingrenzen zu können, nach welchen Speisen ein eventueller Kopfschmerz einsetzt.

Ausreichend Schlaf und Regenerationsphasen
Regelmäßige Schlafenszeiten und ausreichend Schlaf sorgen für Regenerationsphasen, die der Körper dringend braucht, um am nächsten Tag wieder fit und aufnahmefähig zu sein. Kinder in den ersten Schuljahren sollten durchaus zehn Stunden schlafen, bzw. in jedem Fall zumindest die Möglichkeit erhalten, so viel zu schlafen, wie sie möchten und brauchen. Eine Schlafenszeit von sieben bis neun Stunden ist für ältere Kinder optimal. Einschlafen sollten die Kinder allenfalls mit einem Hörbuch oder nach einer (vor)gelesenen Geschichte. Fernsehen oder Computerspiele sind vor dem Zubettgehen nicht empfehlenswert. Kinder mit Kopfschmerzen sollten Bildschirmmedien generell nur zeitlich begrenzt und in klar definiertem Rahmen nutzen. Denn gerade in Bezug auf die Bildschirmmedien stellt sich die Frage nach dem Henne-Ei-Prinzip: Was war zuerst da – der Kopfschmerz, der durch Fernsehen und Computer noch verstärkt wird, oder der Bildschirm, der für Kopfschmerzen sorgt?

Gerade Kopfschmerz-Patienten benötigen klar strukturierte Tagesabläufe und immer wieder Ruhephasen für sich. Heutzutage haben die Kinder viel mit Mittagsschule, Hausaufgaben, Referaten und Freizeitaktivitäten zu tun. Doch eine Überforderungen, gerade in punkto Freizeitgestaltung, sollte hier vermieden werden. Wer montags nach der Mittagsschule Handball trainiert, dienstags Klavierstunde hat, mittwochs ins Ballet geht und donnerstags nach der Mittagsschule im Musikverein aktiv ist, hat wenig Zeit für sich selbst. Es liegt im Ermessen der Eltern und der betroffenen Kinder zu prüfen, wo Abstriche gemacht und Freiräume geschaffen werden können, in denen Freizeit auch wirklich freie Zeit ist und nicht von externen, außerschulischen Verpflichtungen bestimmt wird. Natürlich können Kinder nicht allen Belastungen, gerade im Zusammenhang mit schulischen Ansprüchen, aus dem Weg gehen. Deshalb ist es umso wichtiger, Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre freie Zeit frei von Verpflichtungen zu gestalten.

Sport und Bewegung
Wichtig für Kinder und Jugendliche, die von chronischen Kopfschmerzen betroffen sind, ist Bewegung an der frischen Luft und eine sportliche Aktivität, die ihnen Freude bereitet. Dabei geht es gar nicht unbedingt um das Thema Vereins- oder Leistungssport. Im Gegenteil, zu viel Leistungssport kann eine Bereitschaft zu Kopfschmerzen oder Migräneanfällen verstärken. Schon regelmäßige Spaziergänge in der Natur, ein- bis zweimal pro Woche schwimmen gehen oder mit dem Fahrrad statt mit dem Bus zur Schule zu fahren, sorgen für Entspannung und Kräftigung von Körper und Seele. Denn Bewegung beugt auch Rückenschmerzen vor, an denen Jugendliche durch vieles Sitzen immer häufiger leiden und die Kopfschmerzen bedingen können. Ein Gang zum Orthopäden klärt, ob eine schlechte Körperhaltung oder krankhafte Veränderungen vorliegen, beispielsweise in Form einer Skoliose (eine Wirbelsäulenverkrümmung, die meist im Wachstumsalter auftritt), die für Kopfschmerzen verantwortlich sein können. Ist dies der Fall, können autogenes Training, Yoga, progressive Muskelentspannung, Rückenschule oder Osteopathie hilfreiche Anker sein, um den Körper in seiner Selbstheilung bzw. Kräftigung zu unterstützen. Besonders das Erlernen von Entspannungstechniken hilft, auch in stressigen Zeiten zur Ruhe zu kommen, wenn Anstrengung, Zeitdruck oder Sorgen nicht vermeidbar sind.

Pubertät
Viele Jugendliche leiden in der Pubertät unter vermehrten Kopfschmerzen. Verantwortlich können hier Stimmungsschwankungen in Form von depressiven Verstimmungen, Wachstumsschübe, die Veränderung der hormonellen Lage und bei Mädchen die monatliche Regelblutung sein. Auch hier gilt es, verbesserte Rahmenbedingungen in Form von gesunder Ernährung, ausreichen Schlaf, sinnvoll genutzter Freizeit oder auch alternativer Medizin (Homöopathie) zu schaffen, denn: Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. So beschäftigen sich viele Heilpraktiker beispielsweise mit der Behandlung von Menstruationsproblemen junger Frauen und können Betroffenen hier mit alternativen Methoden zur Seite stehen. Bei ernsten körperlichen Beschwerden oder Hinweisen auf depressive Verstimmungen, sollte jedoch umgehend Rat beim Jugendmediziner bzw. beim Hausarzt mit eventueller fachlicher Überweisung zur Weiterbehandlung eingeholt werden. Häufig kann, gerade in der Pubertät, ein niedriger Blutzuckerspiegel der mit Kreislaufproblemen einher geht, Kopfschmerzen auslösen. Ein Müsliriegel kann hier Abhilfe schaffen und den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen.

Mobbing und soziale Probleme
Doch natürlich liegen nicht alle Ursachen für Kopfschmerzen und Migräne in Wachstumsschüben, einseitiger Ernährung oder Stimmungsschwankungen. Egal ob im Grundschulalter oder später auf der weiterführenden Schule – Eltern sollten ihren Kindern stets mit einem offenen Ohr, Rat und Tat zur Seite stehen und dabei wissen: Wo stehen die Kinder im sozialen Gefüge innerhalb der Klasse oder im Freundeskreis? Sind sie integriert oder werden sie ausgegrenzt? Sind die Kopfschmerzen des Kindes eventuell Ausdruck von Überforderung, Angst und Stress? Hier gilt es, den Kindern Geborgenheit, Anerkennung und Verständnis entgegenzubringen und ihnen  zuzuhören bzw. zwischen den Zeilen zu lesen, was sie erzählen oder auch gerade nicht erzählen. Wo Eltern Interesse für Probleme und Ängste zeigen und gemeinsame Lösungen anbieten, wird das Elternhaus zu einem sicheren Hafen und einer Anlaufstelle für Gespräche. Kinder wachsen und werden stark, wenn Eltern ihnen zeigen: „Du bist gut so, wie Du bist. Ich bin für Dich da. Ich spreche für Dich, wenn Du es nicht selbst tun kannst. Kein Problem bleibt ohne Lösung.“

Schmerztagebuch
Da häufig nicht nur ein Auslöser für Kopfschmerzen verantwortlich ist, sollten die Betroffenen ein sogenanntes Schmerztagebuch führen. Im Alltag gilt es nun, sich ganz genau zu beobachten und herauszufinden, durch welche Trigger Kopfschmerzen ausgelöst werden. Ist es schulischer Stress? Treten Kopfschmerzen nach langem Sitzen und wenig Bewegung auf? Oder nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel? Entstehen Kopfschmerzen durch soziale Spannungen, beispielsweise Streit mit Freunden oder Auseinandersetzungen in sozialen Netzwerken? Im Schmerztagebuch sollten zusätzlich täglich die Schlafdauer, das Bewegungspensum, Ruhephasen und Zeit für selbst sowie zu sich genommene Speisen und Getränke vermerkt werden. So wird es schon nach drei bis vier Wochen gelingen, ein Muster der auftretenden Kopfschmerzen auszumachen. Wichtig ist es, nicht nur die Schmerzen, also das Negative, zu vermerken. Zum Abschluss eines jeden Tages sollte auch aufgeschrieben werden, was den Tag zu einem guten Tag gemacht hat. War eine Stunde im Freibad mit Freunden entspannend? Oder vielleicht ein Mittagsschlaf? Konnte der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel zu einem gesteigerten Wohlgefühl beitragen? Die durch das Führen eines Schmerztagebuchs entstehende Selbstreflexion wird zu einem besseren Erkennen der eigenen Bedürfnisse und einem verbesserten Umgang mit Gesundheit und persönlichen Ressourcen beitragen.

„Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“
Die Chance, Kopfschmerzen nachhaltig vorzubeugen, ist nie wieder so hoch wie im Kindes- und Jugendalter. Die „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“ unterstützt Kinder, Eltern und Lehrkräfte bei der gemeinsamen Suche nach individuellen Lösungen. Selbstbeobachtung und Selbstreflexion stehen in diesem hilfreichen Programm an oberster Stelle. Schon 23 Krankenkassen fördern die „Aktion Mütze“. Eine eigene Website bietet interessante Informationen und einen Ratgeber für Familien: www.aktion-muetze.de.

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