Create before you consume


Schon seit längerer Zeit lausche ich gern den Podcasts meines früheren Chefs Oliver Buhr, der auf www.projectmastery.de regelmäßig Impulse und Experteninterviews zum Thema erfolgreiches Projektmanagement verfasst. Die Anregungen, die Oliver Buhr uns in seinem aktuellen Podcast “Create before you consume” mit auf den Weg gibt, lassen sich sowohl auf unsere Haltung im Arbeits- als auch im Familienalltag übertragen.  

Wie oft stellen wir fest, dass unser Alltag von To Do´s definiert und bestimmt wird, die von extern an uns herangetragen werden? Und wie oft bleiben zu Gunsten der Erledigung dieser extern definierten To Do´s unsere eigene Prioritäten auf der Strecke? Damit wir nicht im Tagesgeschäft untergehen, unterstützt Oliver Buhr mit einer kleinen Anregung: „Create before you consume“. In diesem Zusammenhang ist nicht der klassische Konsum in Form einer Shopping-Tour oder eines Restaurantbesuchs gemeint. Vielmehr geht es darum, im ersten Schritt die von uns persönlich als für uns relevant definierten To Do´s anzugehen, BEVOR wir uns dem widmen, was von außen an uns heran getragen wird. Denn im Büro mahlen die Mühlen sowieso meist durchweg fremdbestimmt – wir werden in Meetings gesteckt, nehmen Anrufe entgegen, verbringen viel Zeit mit organisatorischen Details, reagieren auf Anfragen von Kunden und Kollegen. Da tut es gut, in der ersten Stunde am Arbeitsplatz, soweit möglich, die eigenen Anliegen zu platzieren, wichtige E-Mails zu schreiben, bevor die E-Mail-Flut im Posteingang gelesen wird, ein neues Projekt zu durchdenken, bevor wir uns mit den Projektideen der anderen beschäftigen, sich Zeit für ein Brainstorming zu nehmen, bevor der Chef sein “Werden Sie mal kreativ!” an uns herantragen kann. Kurzum: Bevor wir den anderen zu Diensten sind, sollten wir nicht vergessen, uns mit dem zu beschäftigen, was uns wichtig ist und was uns voran bringt.

Beginnt der Tag nicht im Büro, sondern zu Hause, ist es um das Thema Aktion/Reaktion und Eigendynamik/Fremddynamik ähnlich bestellt. (Damit ist nicht das Leben mit Kindern gemeint, denn dass Kinder und ihre Bedürfnisse bis zu einem gewissen Alter Vorrang vor der eigenen “Selbstverwirklichung” haben, ist selbstverständlich.) Die Spülmaschine piept und wartet darauf, ausgeräumt zu werden. Dass dies nicht sofort geschehen muss, ist eigentlich klar. Doch wie oft schiebt man dieses „Das mache ich eben mal schnell, dann ist es erledigt.“ nicht doch hinterher? Und steht am Ende des Vormittags zwar mit blanker Küche da, hat sich aber weder eine halbe Stunde Zeit für Sport und Bewegung genommen, noch die Erledigung eigentlich priorisierter To Do´s verfolgt. Schwupp naht das Wochenende und, ähnlich wie im Büro, stellt man auch zu Hause fest: Das Tagesgeschäft hat gewonnen, ich habe vorrangig auf Externes reagiert, habe die Anliegen anderer abgearbeitet und mich kaum um die Dinge gekümmert, die wichtig für mich sind und die mich weiterbringen.

„Create before you consume“ meint genau das: Den Tag nicht fremd- sondern eigenbestimmt beginnen bzw. sich ein bewusstes Zeitfenster schaffen, wie beispielsweise durch den Vorsatz „Heute gehören die 60 Minuten zwischen 10 und 11 Uhr mir. Ich mache Termine aus, die mir schon lange wichtig sind, ich schreibe E-Mails, die ich bereits viel zu oft aufgeschoben habe, ich bewältige eine Aufgabenstellung, dir mir persönlich wichtig ist bzw. die mich in meinem Fortkommen weiterbringt, ich durchdenke meinen Projektentwurf JETZT, bevor der Zug abgefahren und ein anderer mit der Idee am Markt ist.“ Diese Priorisierung der Erledigung der eigenen To Do´s zu Beginn eines jeden Tages (Selbstfürsorge ist an dieser Stelle ein schönes Wort) ist sowohl für die berufliche als auch für die private Zufriedenheit wichtig. Denn schaffen wir es tatsächlich, uns täglich etwas Zeit für unsere eigenen (Herzens-)Themen zu nehmen, werden wir im Anschluss daran viel besser in der Lage sein, von extern an uns herangetragene Aufgaben zu bewältigen. Natürlich wissen gerade wir Eltern nur zu gut, dass ein intern definierter Zeitplan nicht vor externen Unvorhersehbarkeiten schützt (Kind ist krank, Babysitter fällt aus etc.). Doch das sind Ausnahmen, die uns nicht vom eigentlichen Thema ablenken sollten: Bevor wir uns ins Alltagsgeschäft stürzen, sollten wir uns eine halbe Stunde Zeit für die Themen nehmen, die (für) uns wichtig sind und die uns voran bringen.

Wer mehr zu diesem spannenden Thema hören möchte, dem lege ich den Podcast „Create before you consume“ von Oliver Buhr ans Herz.

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