Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Ebersbach


Der Künstler Gunter Demnig ist aktuell nach Ebersbach gekommen, um drei Stolpersteine zum Gedenken an die in Ausschwitz ermordete jüdische Familie Neumann, die sich im alten Ebersbacher Pfarrhaus versteckt hielt, zu verlegen. Mittlerweile sind die quadratischen, in den Boden eingelassenen Stolpersteine, die Demnig selbst aus Messing herstellt und prägt, in mehr als 1.200 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas verlegt worden. Sie erinnern an all die Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt und/oder ermordet wurden. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Vor wenigen Wochen verlegte Gunter Demnig den 70.000 Stein in Frankfurt am Main.

Innehalten und erinnern

Im Frühjahr 2010 war ich zum ersten Mal bei der Verlegung eines Stolpersteins im Frankfurter Nordend zugegen. Der damals verlegte Stolperstein erinnert an den in einer Gewerkschaftsbewegung engagierten polnischen Kaufmann Baruch Schreier, der in Auschwitz ermordet wurde. Besonders beeindruckte mich damals, dass sowohl zwei Enkelinnen als auch zwei Urenkelinnen Baruch Schreiers bei der Verlegung anwesend waren, die betonten, wie wichtig der Gedenkstein für ihre Familiengeschichte sei. Aktuell wurden auch in unserem Wohnort Ebersbach drei Stolpersteine verlegt. Franziska Neumann und ihre Söhne Lutz und Wolfgang wurden am 17. Juni 1943 nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet. Zuvor konnten sie mit Hilfe des Ebersbacher Pfarrerehepaars Anneliese und Herrmann Diem versteckt werden. Besonders berührend: Bei der Verlegung waren auch zwei Neffen der ermordeten Franziska Neumann anwesend, Arne und Poul Müller, die extra aus Dänemark angereist waren und sehr persönliche Worte sprachen.

Gunter Demnig nach der Verlegung der drei Stolpersteine in Ebersbach

Das Unglück beginnt für die Familie Neumann während des Novemberprogroms 1938, als Vater Erich verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt wird. Dem unermüdlichen Einsatz seiner Frau Franziska verdankt er seine Freilassung im Dezember 1938. Die Familie erhält die Auflage, Deutschland zu verlassen. Franziska schickt ihren Mann nach England vor, wohin er im Sommer 1939 ausreist. Sie selbst will mit den Söhnen in die USA fliehen. Erich reist aus, Franziska und die Kinder leben vorerst in Berlin. Von dort wird Franziskas Mutter im Dezember 1942 nach Ausschwitz deportiert. Kurze Zeit später erhält Franziska ebenfalls den Stellungsbefehl zur Deportation, woraufhin die Familie flüchtet. Mit Hilfe der sogenannten Pfarrhauskette, einem vorrangig in Ostpreußen und Baden-Württemberg aktiven Verbund von 40 Pfarrhäusern, die Hilfesuchenden Schutz und Zuflucht gewähren, kann sich die kleine Familie im Pfarrhaus in Ebersbach verstecken. Im April 1943 werden Franziska, Lutz und Wolfgang, mutmaßlich durch eine Berliner Kontaktperson verraten, verhaftet. Das offizielle Todesdatum der drei wird in der Nachkriegszeit auf den 30. Juni 1943 festgelegt. Der einzige Überlebende der vierköpfigen Familie ist Vater Erich.

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.”, zitieren Arne und Poul Müller in ihrer  sehr persönlichen Ansprache bei der Stolpersteinverlegung in Ebersbach aus dem Talmud. Durch Gunter Demnigs Stolpersteine sind Franziska, Lutz und Wolfgang Neumann unvergessen.

Mehr Informationen über Gunter Demnigs wertvolle Arbeit gibt es unter www.stolpersteine.eu.

 

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