„Lernen erweitert große Seelen“ – Reisetipp Namibia


„Lernen erweitert große Seelen“, besagt ein Sprichwort aus Namibia. An dieses Sprichwort dachte ich, als uns Freunde von ihrem aktuellen Familienurlaub in Namibia erzählten, und ich an unsere eigene, herrliche Reise ins frühere Deutsch-Südwestafrika erinnert wurde. In ein Land der Superlative, von dem wir nie geglaubt hätten, dass es sich so sicher und unkompliziert bereisen lässt. Vor allem für Kinder bietet Namibia unglaublich viel „Kindgerechtes“: Platz und Freiraum, Natur und Wanderungen, Tiere und unberührte Landschaften. Dazu freundliche Einheimische, die uns Reisenden jederzeit das Gefühl gaben, willkommen zu sein.

In Namibia gibt es kaum etwas, das es nicht gibt. Die Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard, Löwe), Wüste, Meer, Berge, 14 Vegetationszonen, über 600 Vogelarten, lebende Pflanzen aus der Steinzeit, Canyons, Diamanten, 13 Volksgruppen, 16 Sprachen, 200 nur in Namibia heimische Pflanzenarten, 37.000 km Schotterstraße und, immerhin, 5.000 km Teerstraße. Abenteuer, Wildnis, Natur, Tiere – Für Kinder kann es fast nichts Schöneres geben. Natürlich sollte eine Namibia-Rundreise dabei kindgerecht aufbereitet sein. So empfiehlt sich ein Reisen in kleinen Etappen, die kilometermäßig begrenzt sind. Denn in Namibia wird im Wesentlichen zwischen drei Straßenkategorien unterschieden: geteerter Hauptstraße, rotsandiger Nebenstraße und Schotterpiste. Meistens bewegt man sich in den Kategorien B und C. Sprich für eine Wegstrecke von 200 Kilometern werden unter Umständen fünf bis sechs Stunden Fahrtzeit benötigt, je nach Straßenbeschaffenheit. Ein 4×4 Allrad-Doppelkabiner als Mietwagen bietet sich für ein komfortables Reisen an – am besten mit doppeltem Benzintank, da Tankstellen rar sind. Wir buchten unseren Nissan-Doppelkabiner über Camping Car Hire in Windhoek und waren mit der Betreuung sehr zufrieden.

Empfehlenswert ist eine gute Reiseagentur vor Ort, über die, beispielsweise bereits von Deutschland aus, Lodges gebucht werden können. Unsere Zusammenarbeit mit der Agentur Enjoy Africa, mit Sitz in Windhoek, erwies sich als Glücksgriff, denn unsere Beraterin Yvonne Schnoor buchte uns im Rahmen unseres Budgets die herrlichsten Lodges und stellte uns eine perfekte Reiseroute zusammen. Um nach Namibia zu reisen, empfiehlt sich ein Nachtflug ab 21 Uhr von Frankfurt nach Johannesburg mit Anschlussflug nach Windhoek an. Wir entschieden uns für den Reisemonat August, da dieser in die namibische Trockenzeit fällt und man von zahlreichen Tierbeobachtungen ausgehen kann, da die Tiere auf der Suche nach Wasser viel umherziehen.

Nach gelungener Anreise und Mietwagenübergabe starteten wir in Windhoek und los ging es über Rehoboth und Mariental Richtung Süden an den Rand der Kalahari-Wüste. In der schönen Anib Lodge waren wir perfekt untergebracht und starteten am nächsten Morgen um 5 Uhr zu einer Wüstentour per Jeep. Zebras, Springböcke, Gnus, meterhohe Termitenhügel, Strauße, Oryx-Antilopen und Stachelschweine kreuzten unseren Weg und wir waren schon jetzt überglücklich, bereits am Anfang unserer Reise so viele Wildtiere gesehen zu haben.

Weiter ging die Fahrt über den sehenswerten Köcherbaumwald, über Keetmanshoop und Grünau zum Canyon Village, einer erneut sehr schönen Lodge, gelegen an einer massiven Bergwand, nur wenige Kilometer vom berühmten Fish River Canon entfernt, der nach dem Grand Canyon der zweitgrößte Canyon der Welt ist. Atemberaubend ist hier die Aussicht über eines der geologisch interessantesten Gebiete Afrikas.

Nun ging es in die für uns mit ihrer Farbenpracht schönste Ecke Namibias: den Süden, in die Tirasberge. Hier übernachteten wir auf der Farm Namtib, die von einem deutschen Paar betrieben wird. Rote, bizarr geformte Granitformationen, weite gelbe Grasflächen, dazu der rote Sand – genau so hatten wir uns Afrika immer ausgemalt. Wir besichtigten das legendäre Schloss Duwiseb und übernachteten dann in einer der schönsten Lodges auf unserer Reise, dem Tsauchab River Camp, das sich als perfekter Ausgangspunkt für eine frühe Fahrt in die Wüste Namib anbot. Gegen 4.30 Uhr machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Sossusvlei, in die Wüste. Und da waren sie endlich: Die höchsten Dünen der Welt. Heiß, atemberaubend, von unglaublicher Schönheit. Ein vereinzelter Wüstenfuchs kreuzte unseren Weg, eine Straußenfamilie, ein paar Zebras. Ansonsten Wind, Sand und weit weit in der Ferne, von den höchsten Dünen bei klarer Sicht erkennbar, das Meer. Unvergesslich.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine Wanderung durch den Sesriem-Canyon und fuhren über Solitaire (besteht nur aus einer Tankstelle – unbedingt stoppen, tanken, Apfelkuchen essen!) über den Ghaub- und Kuisebpass mit seinem unglaublichen Panoramablick über den Kuiseb Canyon. Weiter ging es zum Namib-Naukluftpark zur Besichtigung der steinzeitlichen Welwitschia-Pflanzen, die nur 2 mm pro Jahr wachsen, und durch das beeindruckende Moonvalley nach Swakopmund, der zweitgrößten Stadt Namibias. Hier hielten wir uns zwei Tage auf, besuchten das empfehlenswerte Naturkundemuseum und genossen nach der langen Zeit der Einsamkeit das städtische Flair, bevor es weiterging Richtung Norden und in die Etosha-Pfanne (übernachtet haben wir in Swakopmund im Secret Garden Guest House).

Wir besuchten das an der atlantischen Skelettküste gelegene Kreuzkap mit seinen zahlreichen Schiffswracks und einer riesigen Robbenkolonie und fuhren ins Damaraland, wo wir nach der Besichtigung des Brandbergmassivs und der uralten Felsgravuren bei Twyfelfontein in der Twyfelfontein Lodge übernachteten. Über den Grootbergpaß erreichten wir am nächsten Tag die wunderschöne Grootberg Lodge, unsere absolute Lieblingsunterkunft während der gesamten Reise. Allein der Blick über das Klip River Valley, verbunden mit einer Wanderung und einer aufregenden Pirschfahrt, machten diese Station unserer Reise unvergessen.

Und dann war es endlich soweit: Am nächsten Tag reisten wir zur Etosha Safari Lodge, die vor den Toren des Etosha-Nationaparks gelegen ist. Was würde uns erwarten? Würde sich der Traum, alle Big Five einmal in natura zu sehen, erfüllen? Als wir um sechs Uhr in der Früh in den Etosha-Nationalpark einfuhren, konnten wir unser Glück kaum fassen: Nach 100 Metern kreuzte das erste Nashorn unseren Weg, noch einmal 500 Meter weiter die erste Löwenfamilie. Auch unsere täglichen Bekannten, ihren Anblick waren wir ja fast schon gewohnt, tummelten sich an den Wasserlöchern: Giraffen, Warane, Kudus, Gnus, Springböcke, Fasane, Strauße, Warzenschweine. Eine Löwin verzehrte ein frisch erlegtes Zebra und wir fotografierten und staunten, staunten und fotografierten.

Am Abend verließen wir den Etosha-Nationalpark und steuerten das wunderschöne Mushara Bush Camp an, wo wir beim Abendessen am Feuer saßen und in komfortablen Zelten übernachteten. Am nächsten Morgen ging es noch einmal in den Etosha-Nationalpark. Wir fuhren in die Salzpfanne hinein und staunten über diese endlose Weite des Nichts und die Einsamkeit. Und am Nachmittag sahen wir sie endlich: Elefanten. Mal ein Bulle allein (hier ist Vorsicht geboten, obwohl man im Auto sitzt), dann eine ganze Herde aus 20 bis 30 Tieren, die ein Schlammbad genoss. Fast zwei Stunden schauten wir den Elefanten zu und verließen gegen Abend schweren Herzens den Park, berührt und erfüllt von den Begegnungen mit vielen einzigartigen Tieren.

Wir übernachteten nochmals im Mushara Bush Camp und fuhren am folgenden Tag über Grootfontein durch die typisch afrikanische Buschlandschaft zum landschaftlich schönen und geschichtlich interessanten Waterberg-Plateau (Unterkunft Waterberg Rest Camp). Auf dem Weg ins Camp machten wir einen Abstecher zum sagenumwobenen Otjikoto Lake. Hier versenkten im Jahr 1915 kurz vor ihrer Kapitulation Deutsche Schutztruppen ihre Kanonen, Waffen und angeblich auch einen Geldschrank in dem an manchen Stellen 150 Meter tiefen See. Ein spannender Ort, der sich mit einem Spaziergang um den See erschließen lässt. 20 Kilometer westlich von Grootfontein besuchen wir die Hoba-Farm und sahen uns den Hoba-Meteorit an, den bislang größten auf der Erde gefundenen Meteorit. Auch dieser kleine Zwischenstopp war sehr interessant. Nachdem wir am nächsten Tag noch einen Abstecher zur Düsternbrook Guest Ranch gemacht und auf einer Safari tatsächlich zahlreiche Geparden und, ganz im Gras verborgen, sogar einen Leopard sahen, ging die Reise weiter nach Windhoek. In Windhoek verbrachen wir noch drei geruhsame Tage in der Pension Steiner, ausgefüllt mit vielen interessanten Aktivitäten. Wir besuchten die Christuskirche, das Reiterdenkmal, die Alte Feste, die Parliament Gardens und eine der drei Burgen, die es in Windhoek gibt. Von einem Vortrag in Frankfurt kannte ich bereits Carsten Moehle, den Inhaber von Bwana Tucke-Tucke, dessen Stadtrundfahrten wärmstens zu empfehlen sind und der auch als Reiseveranstalter tätig ist (www.bwana.de).

Bereist man Namibia als Familie mit Kindergarten-/Grundschulkindern, bietet sich vor allem das Dreieck Windhoek – Swakopmund – Etosha-Pfanne sowie südöstlich von Windhoek die Kalahari und südwestlich die Wüste Namib an. Ausflüge in den Etosha-Nationalpark, zur Robbenkolonie, an die Atlantikküste und in die Wüste Namib sind absolute Highlights. Landschaftlich gesehen gefiel uns persönlich aber auch der Süden unglaublich gut – die Steppe, die Weite, die rote Erde boten ein immer wieder eindrucksvolles Farbspiel. Übrigens war unsere Rundreise durch Namibia nicht unbedingt als eine Reise mit kleineren Kindern ausgelegt. Durchschnittlich fuhren wir täglich circa sechs Stunden Auto, was aufgrund der tollen Landschaft nie langweilig war, für kleinere Kinder, trotz der stetig kreuzenden Tiere, eventuell aber zu eintönig sein könnte. Mein Tipp wäre, kürzere Etappen zu wählen und den Namibia-Aufenthalt über eine erfahrene Agentur im Vorfeld kindgerecht planen zu lassen. Enjoy Africa bietet beispielsweise viel Erfahrung in der Reiseplanung von Familienurlauben in Namibia. Für Kinder, die älter und naturverbunden sind, gern wandern und schwimmen (fast jede Lodge verfügt über einen Pool) oder auf Safari gehen, sind längere Autofahrten kein Problem und Namibia ein absolut spannendes Urlaubsland. Wer Spielplätze, Funparks, Spaßbäder und Kinderbetreuung in Clubs sucht, für den ist Namibia nicht das richtige Reiseziel.

Noch etwas zum Thema Sicherheit: Namibia ist ein friedliches Land, in dem die unterschiedlichen Stämme und Bevölkerungsgruppen konfliktfrei zusammenleben. Natürlich gibt es auch in Namibia Regeln, beispielsweise in welchen Stadtteilen Windhoeks es nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr sicher ist etc. Wir haben jedoch keinerlei negative Erfahrungen gemacht oder uns je unwohl gefühlt. Erfahrene Agenturen briefen die Reisenden auch in punkto Wildtiere gut. So gilt beispielsweise im Etosha-Park die unverrückbare Regel, unter keinen Umständen das Auto zu verlassen (Für Pausen gibt es extra eingezäunte Plätze, auf die man mit dem Auto fährt und erst dann aussteigt, wenn das Tor wieder geschlossen ist.). In Namibia gibt es giftige Schlangen, wie Puffotter, Speikobra, schwarze Mamba und Co. Jedoch sind die Tiere meistens scheu und ergreifen die Flucht, sobald sie die Vibration von Schritten wahrnehmen (Ausnahme: Die Puffotter). Dennoch dürfen Autotüren und Kofferraum niemals länger als nötig offen stehen. Bevor man in ein Auto steigt, sollten die Reifen kontrolliert werden, da Schlangen gern auf den warmen Autoreifen liegen und so ins Auto gelangen können. Festes, hohes Schuhwerk und lange Hosen sind für Wanderungen empfehlenswert. Dazu gilt: Niemals in Felsspalten, Nester und Erdlöcher fassen oder Steine umdrehen, Stöcke aufheben etc., da sich Schlangen hier gern aufhalten. Ein hohes Malariarisiko besteht nur im äußersten Norden Namibias, in der Etoscha-Pfanne liegt ein, gerade in der Regenzeit, erhöhtes Malariarisiko vor. Das restliche Namibia gilt als frei von Malaria. Als wir das Land im August bereisten, hatten wir keinerlei Probleme mit Moskitos und so gut wie keine Stiche. Standard-Impfungen, wie Impfungen gegen Polio, Tetanus, Diphtherie und Hepatitis A, sind sinnvoll. Für die Reiseapotheke sind klassisch Mittel gegen Fieber und Schmerzen, Durchfall, Insektenstiche, Sonnenbrand, eine Malaria-Prävention sowie ein Breitband-Antibiotikum wichtig. Dazu natürlich Sonnenschutz, Verbandszeug und Desinfektionsmittel. Da das Essen in Namibia fast schon europäisch ist (viel Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Reis) hatten wir magentechnisch keinerlei Probleme.

Unser Fazit: Für uns bleibt dieser besondere Urlaub unvergessen und wir tragen Namibia in unseren Herzen. Häufig sprechen wir darüber, dass wenn wir Fernweh verspüren, wir auch an Dänemark, die USA oder Asien denken, primär jedoch an die unendlichen Weiten des südwestlichen Afrikas. Und eigentlich können wir es gar nicht erwarten, in den nächsten Jahren wieder einmal hinzureisen. Deshalb noch einige Impressionen zum Abschluss:

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