„Wo die Liebe hinfliegt“ – Freunde fürs Leben


Tanja Brandt ist Falknerin, Tierfotografin und Autorin ihres ersten Buches „Wo die Liebe hinfliegt“. Schon seit sie denken kann, liebt sie Tiere, Natur und Freiheit und entdeckte auch die Leidenschaft fürs Fotografieren sehr früh. Zu Tanja Brandts Schützlingen zählen Hunde, Greif- und Eulenvögel, bei deren Haltung der Tierfotografin ein ungewöhnlicher Spagat gelingt: Ein artgerechtes Tierleben, verbunden mit einem engen Vertrauensverhältnis zu Tanja als Bezugsperson. Unter ihren Schützlingen entwickelt sich dabei auch manch ungewöhnliche Freundschaft. Wie beispielsweise die zwischen Schäferhund Ingo und Steinkauz Poldi, die sich in freier Wildbahn wahrscheinlich zerfetzen würden, sich aber seit ihrer ersten Begegnung mögen. Die Zuneigung, die Ingo und Poldi zueinander entwickelt haben, ist ungewöhnlich, denn ein Mensch muss sich über viele Jahre hinweg mit Eulen beschäftigen, um überhaupt ihr Vertrauen gewinnen zu können. Zwar war Steinkauz Poldi bei der ersten Begegnung mit Ingo noch skeptisch, was die freundschaftlichen Annäherungsversuche des Schäferhunds betraf. Doch heute verteidigt Poldi Ingo sogar gegen eine Hummel, die es wagt, den Hund zu umschwirren. Einzigartige Bilder aus dem Leben von Ingo und Poldi hat Tanja Brandt in ihrem sehr empfehlenswerten Bildband „Wo die Liebe hinfliegt“ zusammengefasst und beantwortet uns im folgenden Interview einige Fragen zu ihren Schützlingen. Das Copyright aller Fotos liegt bei der Autorin Tanja Brandt.

Liebe Frau Brandt, Sie sind Fotografin und Falknerin und schon von Kindesbeinen an eng mit Tieren verbunden. Welches war Ihre früheste, prägendste Begegnung mit Tieren bzw. der Natur?

Oh, das kann ich gar nicht mehr sagen, aber ich denke es sind die Erzählungen meiner Oma. Meine Eltern waren Tierhasser und ich war von Geburt an Tierfan. Meine Oma erzählte immer, wenn man mich im Krabbelalter gesucht hat, war ich entweder im Hasenstall und habe mit den Stallhasen gekuschelt und geschlafen (ja, in Windeln und im Dreck und eigentlich waren die wohl sehr bissig, bei mir aber nicht). Oder ich war unterm Zaun durch zum bissigen Schäferhund des Nachbarn gekrabbelt, der bei mir auch nicht bissig war. Als ich dann ein paar Jahre älter war, habe ich alle Tiere nach Hause geschmuggelt, die man sich so denken kann. Als meine Mutter die Mäusezucht in ihrer Unterwäsche-Schublade gefunden hat, war sie überhaupt nicht erfreut.

Wie kam es, dass Sie den Beruf der Falknerin und Tierfotografin ergriffen haben?

Naja, für mich ist es kein Beruf. Ich habe Bürokauffrau gelernt und diese Tätigkeit lange Zeit ausgeübt. Ich habe dann den LKW-Führerschein gemacht und hatte eine Spedition und irgendwann habe ich meine Hobbies zum Beruf bzw. zur Berufung gemacht. Heute bin ich Tierfotografin und lebe mit meinen Tieren.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Die Tiere. Das ist ganz eindeutig. Die Arbeit mit ihnen. Die Zuneigung, die Kommunikation. Auch die Kommunikation zwischen meinem Hund und den Eulen und Greifern. Die Faszination, die die Tiere und die Natur ausstrahlen und ihre Schönheit. Und das alles mit der Kamera einzufangen. Ich habe aber auch ganz liebe Kunden und wir haben viel Spaß bei der Arbeit. Ich gebe Fotokurse und es macht mich sehr stolz, wenn meine Kunden immer besser werden (auch besser als ich). Besonders ergriffen macht es mich, dass ich Kunden habe mit Angstzuständen, Selbstmordversuchen, Problemen. Und durch ihre Erfahrungen mit der Fotografie, der Natur und den Tieren sehen sie die Welt heute anders, quasi in Fotolocations, und konnten viele ihrer Ängste abbauen. Wann immer es meine Zeit zulässt, lade ich kranke Menschen ein. Die Zeit mit den Tieren bringt ihnen viel.

Im vergangenen Jahr ist Ihr wunderbarer Bildband „Wo die Liebe hinfliegt“ erschienen, der die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Ihrem belgischen Schäferhund Ingo und Ihrem zahmen Steinkauz Poldi illustriert. Was bedeutet für Sie Freundschaft?

Sehr viel. Allerdings merkt man, je älter man wird, dass die wahren Freunde doch an einer Hand abzuzählen sind. Die Freundschaft mit meinen Tieren ist mir sehr wichtig und gibt mir die Grundlage in meinem Leben – aber ich vermenschliche die Tiere nicht. Sie müssen allerdings wissen, dass sie sich immer auf mich verlassen können und umgekehrt gilt das auch.

Wie lassen sich Ingo und Poldi charakterisieren und was zeichnet die Freundschaft der beiden aus?

Über diese Frage muss ich lachen, denn ich denke, die beiden sind eigentlich Autisten. Beide haben sie keine Freunde. Sie sind Nörgler, wild, übellaunig. Andere Tiere mögen sie gar nicht und ignorieren sie meistens. Poldi, der auch der Poldinator genannt wird, tötet alles mit Blicken. Die zwei haben sich mit ihrer üblen Laune zusammengetan und eine Freundschaft entwickelt. Aber Poldi hat aus Ingo auch einen besseren Hund gemacht, denn er hat tatsächlich begonnen, Freundschaften zu schließen und offener zu werden. Mit meinen anderen Vögeln hat Ingo auch eine tolle Freundschaft, aber das Band zwischen Ingo und Poldi ist ein besonderes.

Welche persönlichen Highlights erlebten Sie schon mit diesem ungewöhnlichen Duo?

Das sind so viele, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann. Aber ich glaube, mein Lieblingserlebnis war, als ich Ingo im Sonnenuntergang auf einem Baumstamm fotografieren wollte. Ich warf den Ball in Richtung Sonne, damit Ingo nicht zu mir schaut. Poldi saß auf meiner Schulter und ich rief immer ganz langsam und tief: „Woooo ist er? Woooo ist er?“ (gemeint war natürlich der Ball, damit Ingo zum Ball schaut). Plötzlich knackte es hinter mir und ein Mann stand dort mit aufgerissenen Augen, starrte mich an und rannte dann los. Ich dachte, was schaut der so? Der spinnt ja. Und wieso rennt der plötzlich weg? Im Nachhinein betrachtet ist mir klar, dass es schon sehr befremdlich gewirkt haben muss, wenn eine Frau mit Eule auf der Schulter und Kamera im Anschlag durch den Wald streift und immer ruft: „Woooo ist er??“ Ich glaube, ich wäre auch gerannt.

Sie pflegen verletzte Vögel bzw. Tiere, die zu Ihnen gebracht werden. Durch welche Errungenschaften der modernen Zivilisation werden heimische Tiere am häufigsten geschädigt?

Da gibt es leider eine Menge. Windkrafträder sind ein großes Problem. Straßenverkehr natürlich. Auch Hunde. Und kürzlich hatte ich einen Mäusebussard, den jemand versucht hat, zu erschlagen.

Gibt es besondere Bereiche, die Ihnen beim Thema Tier- oder Artenschutz nahe gehen und die Sie gern zugunsten der Tierwelt verändern würden, wenn Sie könnten?

Schwer zu sagen. Mehr Toleranz den Tieren gegenüber. Da klagen Anwohner wegen eines Uhus, weil sein Rufen in der Nacht stört. Wohnen aber an der Autobahn. Was gibt es denn Schöneres, als Uhurufe und andere ähnliche, natürliche Geräusche? Kinder wissen heute kaum noch was von Tieren. Und schon gar nicht, was Respekt gegenüber Tieren ist.

Mit welchem Tierfotografen/-filmer würden Sie gern einmal 14 Tage auf Foto“safari“ gehen?

Mit meinem Lebensgefährten, Norbert Wolf. Wir fotografieren zusammen, wann immer es geht.

Ihr wunderbarer Bildband verkauft sich unglaublich gut. Haben Sie mit solch einem tollen Erfolg gerechnet?

Damit hätte ich nie gerechnet. Ich glaube, wir sind in der 5. Auflage oder so. Im Moment arbeite ich am zweiten Teil. Inzwischen ist ja schon wieder so viel passiert bei uns.

Wie geht es Ingo und Poldi momentan und was tun die beiden gerade?

Es geht beiden super. Ingo liegt neben mir auf der Terrasse und Poldi ist mit Finchen in der Voliere und erholt sich. Sie haben fünf Babies und kümmern sich toll um die Kleinen.

© Das Copyright aller Fotos liegt bei der Autorin Tanja Brandt. Hier erfahrt Ihr mehr über Tanja, ihre Workshops und über ihre tierischen Freunde und könnt ihnen natürlich auch auf Facebook folgen.

Zum Abschluss möchten wir Euch den Bildband „Wo die Liebe hinfliegt. Ingo und Poldi – die Geschichte einer Freundschaft“ vorstellen. Das Buch kostet 15 Euro, ist durchgehend vierfarbig mit über 200 Fotos illustriert und hat einen Umfang von 160 Seiten. Über diesen besonderen Bildband schreibt der Bastei Lübbe Verlag in seiner Pressemeldung:

„Bei der Fotografin und Falknerin Tanja Brandt leben ein belgischer Schäferhund und ein Steinkauz – Freunde, die einfach unzertrennlich sind. Dieses Buch erzählt die Geschichte dieser bezaubernden Freundschaft: Wann sind sich die beiden zum ersten Mal begegnet und wie hat sich daraus eine tiefe Freundschaft entwickelt? Und wie reagiert der Schäferhund auf die schlechten Launen des frechen Steinkauzes? Welche Abenteuer erlebt die tierische Clique im Alltag und wie reagiert Ingo, als sich Poldi in die Steinkäuzchen-Dame Fienchen verliebt? Die Autorin beschreibt humorvoll und voller Witz, wie sie den Alltag mit den Freunden erlebt, weiß aber auch viel Wissenswertes über ihre Schützlinge zu erzählen. Denn neben dem Steinkäuzen Poldi und Finchen leben noch Schneeeule Uschi, Wüstenbussard Phoenix und Weißgesichtseule Gandalf bei Tanja Brandt, die sich durch ihre unterschiedlichen Charaktere und Beziehungen untereinander auszeichnen. Einfach zum Dahinschmelzen.“

Dem können wir uns nur anschließen. Gerade unsere Tochter liebt das Buch von Ingo und Poldi, auch wenn es kein klassisches Kinderbuch ist, und wir müssen es immer wieder betrachten und daraus vorlesen. Der Bildband ist ein großes Vergnügen – für Liebhaber toller Naturfotos und besonders für kleine und große Tierfans. Vielen Dank, liebe Frau Brandt, für dieses schöne Interview und die zahlreichen Fotos, von denen wir uns verzaubern lassen durften!

„Wo die Liebe hinfliegt. Ingo und Poldi – die Geschichte einer Freundschaft“
Tanja Brandt
Verlag Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth)
15 Euro
160 Seiten, vierfarbig illustriert mit über 200 Fotos
ISBN 978-3431039696

 

 

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