Inklusion & offene Türen: Die Villa Butz in Göppingen


„Das Haus der Familie/Villa Butz“ in Göppingen ist ein offenes Haus. Ein Ort der Integration, des Miteinanders und der Kulturen. Hier wird achtsames Zusammensein gepaart mit Wissensvermittlung in Kursen, Seminaren, offenen Treffs und Projekten gelebt − generationsübergreifend und unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion oder Lebenssituation. Am 30. Januar 2018 fand in der Villa Butz eine bunte Auftaktveranstaltung zum Thema Inklusion statt.

Das Inklusionsprojekt

Als ich die große Eingangstür des denkmalgeschützten Jugendstilgebäudes öffne, erfasst mein Auge das, was sinnbildlich für diesen vielseitigen Abend sein wird: Gelächter und gute Stimmung, viele Menschen mit und ohne Behinderung im Gespräch, Pinnwände mit Ideen, Wünschen und Gedanken. An der Garderobe stehen, neben zahlreichen Kinderschuhen, ein Rollstuhl und ein Rollator. In der Küche zaubert die Projektgruppe der Esskultur kulinarische Köstlichkeiten. Dazu ertönt mitreißender Ska und Rock´n´Roll der inklusiven Band „Staubstumm„. Es folgt die Begrüßung durch Frau Hofgärtner, die die kommissarische Leitung der Villa Butz inne hat. Ebenfalls sprechen Thomas Meyer-Weithofer von der evangelischen Erwachsenenbildung, Herr Dekan Ulmer und Helge Thiele, Redaktionsleiter der NWZ.

Im Mittelpunkt dieses bunten Abends steht die Überlegung, wie sich das Haus der Familie bezüglich der Inklusion behinderter Menschen noch weiter öffnen und das Zusammensein von behinderten und nichtbehinderten Menschen auf verschiedenen Ebenen barrierefreier gestalten kann. Dazu haben die Mitarbeiterinnen, gemeinsam mit Fachleuten, in unterschiedlichen Arbeitsgruppen Ideen erarbeitet und die Bestandsaufnahme sowie Verbesserungsvorschläge auf Papier gebracht. „Was haben wir schon?“ wird da beispielsweise gefragt. Oder „Wo sind die Barrieren?“ Manche Barrieren lassen sich auf den ersten Blick erkennen: Die schwere Tür des Eingangsbereichs, die für Rollstuhlfahrer zu hoch montierte Sprechanlage, die Toiletten oder die fehlende einheitliche Beschilderung der Räumlichkeiten. Vieles ist aber auch schon da, wie die Rampe im Eingangsbereich, der Aufzug oder die neue, großzügige Küche mit rollstuhlgerechtem Arbeitsplatz. Doch bedeutet Inklusion nicht nur die Integration körperlich oder geistig behinderter Menschen. Auch ältere Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund sollen von den Ideen dieses Abends profitieren. Nun sind die Gäste an der Reihe, sich Gedanken zu Orientierungssystem und Barrierefreiheit, zu Fortbildungsangeboten für die KursleiterInnen oder zum Thema leichte Sprache/einfache Kommunikation zu machen. Und es kommen einige Anregungen zusammen, die am Ende des Abends die Pinwände bereichern. Beispielsweise ein farblich aufgebautes Orientierungssystem, ein Leitsystem zum Fühlen, die Entwicklung eines Audio Guides oder die Vereinfachung von Kommunikation durch einen Übersetzer, Piktogramme usw. SWR-Journalistin Angelika Hensolt, die die Veranstaltung moderiert, fasst die Ergebnisse des Abends zusammen, bevor die Band Staubstumm nochmals loslegt und unter viel Applaus eigene Kompositionen und zum Abschluss den Stones-Klassiker „Lady in black“ zum Besten gibt. Beim anschließenden Ausklang ist Zeit für Gespräche und Austausch und wir werden mit Köstlichkeiten aus der Küche der Villa Butz überrascht, die die Projektgruppe der Esskultur für die Gäste zubereitet hat: Frisches Brot mit Auberginen-Feigen-Creme mit Feta, leckere Linsenpaste sowie Muhammara, eine arabische Paprika-Walnuss-Paste − eine Spezialität aus Damaskus.

„Es gibt keine Anderen. Es gibt nur Wir.“

Diese eigentlich einfache und dennoch so inhaltsstarke Aussage, die ich auf der Veranstaltung hörte, begleitet mich auf meinem Weg nach Hause. Dazu die Achtung vor dem tollen Team aus Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen, die denen, die nicht immer in der Mitte der Gesellschaft stehen, Unterstützung, ein offenes Ohr und ein Stück Geborgenheit mit auf ihren Lebensweg geben. Ohne Schranken im Kopf, ohne Bewertung, dafür mit viel Herzenswärme und Engagement. Und mit dem Anliegen, Kurse und Seminare noch offener und zugänglicher für alle zu gestalten − für Familien, für Menschen mit und ohne Behinderung, für Alt und Jung, für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Villa Butz ist ein Haus mit offenen Türen, einladend für jeden, der kommen und sich austauschen möchte. Dass die Etablierung von noch mehr Inklusion in diesen vier Wänden, und darüber hinaus, lebendig umgesetzt und wohlgestaltet gelingen wird, davon sind zweifelsohne alle Gäste dieses schönen Abends überzeugt.

Kursprogramm & Ideenbörse

Das Jahr 2018 ist ein besonderes Jahr, denn das Haus der Familie feiert 60-jähriges Bestehen. Ursprünglich als Mütterschule e.V. im August 1958 gegründet, ist es heute Begegnungsstätte und Bildungsraum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wer sich für das vielseitige Angebot interessiert, findet hier mehr Informationen: www.hdf-gp.de. Von Kursen über die Geburtsvorbereitung und den Familienstart, Familientreffs, Spielgruppen, einem kreativen Programm für Kinder und Jugendliche, Ausflugsmöglichkeiten, Seminaren zu Erziehungsfragen, Literatur-, Sport-, Koch- und Nähkursen ist für jeden Bedarf etwas dabei. Und wer noch mehr spannende Ideen und Vorschläge zum Thema Inklusion hat, kann diese dem Team der Villa Butz gern via Internet mitteilen. Alle Anregungen sind herzlich willkommen.

 

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