Unser Kind hat Asthma


Gastautorin Anna ist kaufmännische Assistentin und Mutter von Sohn Julius, der seit seinem vierten Lebensjahr an Asthma leidet. Wie die Familie mit der Asthma-Erkrankung lebt und warum Sport und Bewegung so wichtig für Asthmatiker sind, erzählt sie in diesem Beitrag.

Schon kurz nach seiner Geburt hatte unser Sohn einen Virus-Infekt, der mit hohem Fieber und einer starken Erkältung, die sich auch auf die Bronchien niederschlug, einherging. Im Laufe des ersten Lebensjahres kamen Pseudokrupp-Anfälle hinzu, die uns einmal sogar notfallmäßig ins Krankenhaus führten. Wenn Julius viel rannte, vor allem in kalter Luft, hörte sich sein Atem pfeifend an und er hatte das Gefühl, wenig Luft zu bekommen, war kurzatmig und musste viel husten. Julius war häufig krank und jedesmal schlug ihm die Erkältung auf die Bronchien. Das war vor allem nachts dramatisch, da er dann kaum Luft bekam. Nach Besuchen beim Kinderarzt bzw. später beim Lungenfacharzt ergaben die Lungenfunktionstests und weitere Untersuchungen, dass Julius an Asthma, also einer chronischen Entzündung der Bronchien, litt. Für uns Eltern natürlich ein Schock. Eine Tante von mir war aufgrund eines Asthmaanfalls gestorben, sie war erstickt. Mein Kopfkino kam also sofort in Gang und ich hätte Julius am liebsten gar nicht mehr aus den Augen gelassen oder ihn irgendwelcher „Belastungen“, beispielsweise in Form von Hitze oder Kälte, Sport oder Kontakt mit Tieren, ausgesetzt. Denn dass diese Faktoren durchaus Trigger sein können, die einen Asthmaanfall auslösen, war sehr gut möglich. Unser Kinderarzt machte uns auf eine Asthmaselbsthilfegruppe und auf spezielle Asthmaschulungen aufmerksam, die komplett von unserer Krankenkasse übernommen wurden. Hier lernte Julius, und auch wir Eltern, auf was es während eines Anfalls ankommt: Ruhe bewahren, erlernte Sitzpositionen und Atemtechniken anwenden, das Asthmaspray richtig inhalieren. Ferner führten wir ein tägliches Protokoll, ob und in welchem Zusammenhang Atemnot auftauchte etc. Besonders wichtig, und für uns Eltern anfänglich gar nicht so einfach umzusetzen, war die ärztliche Empfehlung, Julius unbeschwert mit anderen Kindern toben zu lassen, damit er seinen Alltag und seine sozialen Kontakte von der Asthmaerkrankung unbeeinflusst genießen kann. Denn wenn die Psyche aufgrund sozialer Isolierung leidet, leidet verständlicherweise auch die Seele und somit die Gesundheit.

Zu Beginn von Julius Asthmaerkrankung hätte ich Julius am liebsten jeden Sport verboten. Zu groß war meine Sorge, dass er sich verausgaben und einen Anfall erleiden könnte. Doch die Empfehlung der Ärzte war eindeutig: Sport ist wichtig, um die Lunge zu trainieren und zu kräftigen und das Immunsystem zu stärken. Natürlich hätten wir Julius aufgrund seiner zunehmenden Tierhaarallergie nicht auf ein Pferd gesetzt. So kamen wir zum Schwimmen und zur Leichtathletik. Großes Glück haben wir bisher in punkto Ernährung bzw. Nahrungsunverträglichkeiten gehabt. Wir versuchen, gesund zu leben und uns ausgewogen zu ernähren, haben Julius jedoch immer essen lassen, auf was er Lust hatte. Allergieträchtige Nahrungsmittel, wie Milch oder Nüsse, haben wir in kleinen Dosierungen eingeführt. Andere Familien verzichten aus Überzeugung ganz auf diese Produkte. Da Julius aber nie allergisch oder mit einer sonstigen Verschlechterung seiner Gesundheit reagierte, darf er Lebensmittel wie Eier, Milch oder Nüsse zu sich nehmen. Wir achten allerdings darauf, dass es bei einem gelegentlichen Verzehr bleibt, da ich keine allergische Reaktion heraufbeschwören möchte.

In der Schule wissen Klassenkameraden und Lehrer Bescheid, dass Julius an Asthma leidet. An seinem Schulranzen ist ein Kärtchen befestigt, dass auf die Erkrankung und Notfallmaßnahmen hinweist. Auf der Insel Borkum haben wir eine Mutter-Kind-Kur gemacht und die Seeluft hat Julius sehr gut getan. Aus diesem Grund verreisen wir momentan wann immer es geht ans Meer. Besonders wohltuend ist für Julius, und auch für uns Großen, ein Besuch in einer Salzgrotte (manche Salzgrotten bieten zusätzlich auch Farbtherapien an). Hier liegt man bekleidet in gemütlichen Liegestühlen und atmet bei einer Raumtemperatur von circa 20 Grad salzhaltige Luft ein. Die ebenfalls in der Luft enthaltenen Mineralien, wie Calcium, Magnesium und Natrium, kräftigen den Organismus und stärken die Abwehr.

Abschließend kann ich sagen, dass wir uns gut mit Julius Asthma arrangiert haben. Eigentlich war es für uns Eltern schwieriger als für Julius, die Erkrankung zu akzeptieren. Kaum machte sich Julius morgens auf dem Weg zum Schulbus, stand ich tausend Ängste aus: Wie wird es ihm heute gesundheitlich gehen? Wird er einen Anfall erleiden? Doch je mehr Anfallssituationen wir gemeinsam durchstanden und je mehr Beratung und Hilfe wir uns suchten, desto mehr Routine entstand. Ich möchte allen Eltern, deren Kinder asthmakrank sind, Mut machen. Für uns war die Diagnose anfänglich ein Schock. Aber mit den richtigen Ärzten und durch den Austausch mit anderen Eltern gelang es uns, Vertrauen in uns und in Julius zu entwickeln, dass wir die Erkrankung kontrollieren können, wenn wir sie und ihre Begleitumstände nur richtig kennen lernen. Julius hat sich toll entwickelt und geht absolut selbstbewusst mit seiner Asthmaerkrankung um, da wir immer offen darüber gesprochen haben. Er geht nun in die zweite Klasse und ist ein glücklicher, aktiver Junge. Natürlich ist das kortisonhaltige Notfallspray Julius steter Begleiter in der Schule und auch beim Sport. Sicher ist sicher. Gebraucht wird es allerdings nur alle paar Monate, worüber wir sehr glücklich sind. Julius ist mittlerweile nur noch sehr wenig krank, was uns Eltern zeigt: Mit Bewegung und gesunder Lebensweise konnten wir viel zur Verbesserung von Julius Anfallsbereitschaft beitragen. Besonders ans Herz legen können wir betroffenen Familien die Asthmaschulung über die Ihr hier mehr erfahrt: www.asthmaschulung.de. Einen interessanten Artikel zum Thema Homöopathie bei Kindern mit Asthma, der im Jahr 2011 in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung erschienen ist, findet Ihr hier.

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