Kids-Talk: Von der Liebe und anderen Gespenstern


Ich liebe es, wenn Kinder bei uns zu Besuch sind. Erstens putze ich dann meistens – wofür ich mir an kinderfreien Tagen eher ungern Zeit nehme. Natürlich macht es keinen Sinn, den Sauger zu schwingen, wenn eine Horde krümelnder Wirbelwinde zwanzigmal zur Terrassentür rein- und rausrennt. Aber Staub wischen, Wäsche waschen oder Küchenschränke ausputzen geht immer. Und ja, ich gebe es zu, ich lausche. Wenn ich da so heimlich, still und leise vor mich hinputze, belausche ich die Kinder beim Spielen und amüsiere mich königlich über die Dinge, die da besprochen und ersonnen werden.

Momentan ist das Thema Jungs und Mädchen sehr interessant und wird vielseitig diskutiert. So konnte ich folgenden Dialog zwischen einer Freundin und der Tochter belauschen. Besuchskind: „Mädchen spielen lieber mit Puppen und Jungs sind mutiger. Die klettern auch viel lieber auf Bäume.“ Die Tochter:“ Wieso, wir klettern doch auch auf Bäume.“ Besuchskind: „Trotzdem sind Jungs mutiger.“  Die Tochter: „Nein. Aber Jungs können auf jeden Fall nicht so gut mit der Schere ausschneiden. Das wird immer nix bei denen. Naja. Die haben ja auch einen Schniedel.“ (Selten so gelacht! Einige männlichen Unzulänglichkeiten lassen sich also künftig ganz lapidar erklären.)

Manche Gespräche lassen mich natürlich auch hellhörig werden. Beispielsweise in der vergangenen Woche. Die Tochter tobt mit einer Freundin im Wohnzimmer, während ich in der Küche zugange bin. Während einer Trinkpause am Tisch besprechen sich die Mädchen. Besuchskind: „Du, der M. aus dem Kindi ist verliebt in Dich!“ Die Tochter abgeklärt: „Ja, das denke ich auch.“ Besuchskind: „Bist Du auch in den verliebt?“ Langes Schweigen der Tochter, ich verharre gebannt lauschend in der Küche. Die Tochter: „Kann der schon schwimmen?“ Besuchskind: „Wieso?“ Die Tochter: „Also wenn er schon schwimmen kann, könnte ich auch in ihn verliebt sein.“

Am Pragmatischsten fand ich einen Dialog mit der besten Freundin. BF: „Gell, wir sind beste Freundinnen, oder?“ Die Tochter: „Ja. Du bist meine beste Freundin und ich bin Deine beste Freundin.“ BF: „An manchen Tagen ist halt die R. meine beste Freundin. Aber das sage ich dann nur so.“ Die Tochter: „Das macht gar nichts, das ist in Ordnung.“ BF: „Wir sind ja immer schon beste Freundinnen, gell?“ Die Tochter: „Ja. Und wir können uns dann später auch einmal verheiraten. Nur für die Babys, da müssten wir dann noch den S. dazu heiraten. Das klappt sonst nicht.“

Die heutige, an mich gerichtete Begrüßung am Frühstückstisch fiel mit einem fröhlichen „Guten Morgen, Gespenst.“ übrigens besonders einfühlsam aus.

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