Tipps für einen sicheren Schulweg


Die Tochter ist eingeschult und bereits am zweiten Schultag meldete sie an, ihren 20-minütigen Schulweg zukünftig allein bzw. mit ihren Freundinnen laufen zu wollen. Tja, da stand das Mama-Taxi da – und transportierte an diesem zweiten Schultag statt der Kinder immerhin drei Schulranzen nach Hause, während die muntere Truppe zu Fuß folgte. Allerdings konnte ich die Tochter beruhigt ziehen lassen, da wir den Schulweg zuvor schon oft geübt und über Gefahren gesprochen hatten. Auf welche Dinge wir dabei geachtet haben, habe ich nachstehend zusammengefasst, da vielleicht die ein oder andere Anregung interessant sein könnte. Folgende Punkte waren uns wichtig:

-Eine gute Ausstattung in Sachen Sichtbarkeit: Reflektoren am Schulranzen und zusätzlich ein Blinklicht, das eine Freundin zur Einschulung schenkte. Die Stadt Ebersbach spendierte allen Erstklässlern darüber hinaus Warnwesten, die die Kinder im Dunkeln nochmals sichtbarer machen.

-Die Kinder laufen am Anfang, wenn möglich, nie allein, sondern mindestens zu zweit.

-Sie laufen immer den gleichen Weg. So wissen wir Eltern, wo wir im Bedarfsfall nach den Kindern suchen müssen.

-Wir haben schon früh geübt, dass die Tochter unsere Adresse sowie meine Handynummer auswendig weiß.

-Die Tochter trägt unsere Adresse nicht sichtbar am Schulranzen, denn es geht niemanden etwas an, wo sie wohnt oder wie sie mit Nachnamen heißt. Wohl aber steht meine Handynummer im Adressfeld.

-Wichtig finde ich, dass die Kinder morgens genug Zeit für ihren Schulweg haben und nicht in Hektik über den Zebrastreifen oder eine rote Ampel rennen.

-Der Zebrastreifen – mein rotes Tuch. Denn unseren Erfahrungen nach, halten die Autofahrer in fast der Hälfte der Fälle nicht an, wenn ein Kind am Zebrastreifen steht. Wir haben es unglaublich oft erlebt, dass gerade wenn Kinder allein am Zebrastreifen stehen (ich stand hinter der Hausecke), die Autofahrer sogar nochmals beschleunigen, frei nach dem Motto: Ist ja nur ein Kind, das kann warten. Wir haben unserer Tochter deshalb erklärt, immer stehen zu bleiben, bis alle nahenden Autos wirklich angehalten haben.

-Leider ist unser Schulweg nicht sonderlich sicher. Ein Zebrastreifen ist für Autofahrer schwer einzusehen, es geht entlang an stark befahrenen Straßen, teilweise ohne Ampel oder Zebrastreifen. Wir haben den sichersten Weg herausgesucht und besprochen, auf was alles geachtet werden muss. Auch Eventualitäten haben wir besprochen. Was ist beispielsweise, wenn eine Baustelle den Weg versperrt oder wenn eine Ampel ausfällt?

-Auf dem Schulweg haben wir fixe Anlaufstellen, wie das Haus von Bekannten, den Bäcker bzw. andere Ladengeschäfte, vereinbart, wo die Kinder Hilfe holen können, wenn sie sich in einer Notsituation befinden.

-Unabhängig vom Schulweg finde ich wichtig, dass die Kinder wissen, wo sie morgens, bevor das Schulhaus aufgeschlossen wird, bzw. in den Pausen Hilfe holen können. Wer ist die Pausenaufsicht? Was mache ich, wenn ich die Aufsicht einmal nicht finde? Wo im Schulgebäude befindet sich das Lehrerzimmer? Wo hat der Hausmeister sein Büro?

-In unserem WoDe-Sicherheitstraining bei Holger Schumacher (hier habe ich mehr dazu geschrieben) wurde übrigens intensiv besprochen, dass Hilfe holen kein Petzen ist. Die Kinder sollen sich also nicht schämen, wenn sie sich nicht mehr zu helfen wissen und deshalb einen Erwachsenen ansprechen. Im Gegenteil: Sie verhindern Schlimmeres, wenn sie sich Unterstützung holen und auf ihr Bauchgefühl hören, wenn ihnen eine Situation nicht geheuer ist.

-Im WoDe-Sicherheitstraining haben wir auch über die sogenannten Mitfahrerliste gesprochen. Diese Liste beinhaltet einige wenige Namen von Personen, mit denen das Kind mitfahren darf. Auch wenn es andere Mütter oder Väter von Kindern aus der Schulklasse oder aus der Nachbarschaft sind: So lange diese Personen nicht auf der Liste stehen, fährt die Tochter nicht mit ihnen mit. Bei uns umfasst die Liste, inklusive uns Eltern und den Großeltern, sieben Personen.

-Nicht alle Kinder laufen zur Schule. Viele fahren mit dem Bus oder nutzen andere öffentliche Verkehrsmittel. Auch hier gilt: In nicht eindeutigen Situationen sollten sich die Kinder sofort Hilfe beim Busfahrer oder gegebenenfalls bei anderen Erwachsenen holen. Hilfe holen ist keine Schande. Bei Buskindern finde ich es auch wichtig, das richtige Verhalten an der Bushaltestelle sowie beim Ein- und Aussteigen zu besprechen.

-Durch viel Übung sind alle Kinder am besten vorbereitet. Natürlich schützt Übung nicht vor Unfällen oder Konfrontationen. Aber sie bringt eine gewisse Routine mit sich, so dass die Kinder schnell Vertrauen erlangen, den Schulweg allein meistern zu können. Bei uns hatten die Vorschulkinder bereits im Kindergarten die Möglichkeit, einen Fußgängerführerschein zu machen. Aber auch wir Eltern sollten natürlich von Anfang an darauf achten, den Kindern die Verkehrsregeln beizubringen und sie immer wieder zu korrigieren, falls sich Unachtsamkeiten einschleichen.

Abschließend kann ich allen Eltern und Kindern wirklich nochmals das WoDe-Sicherheitstraining bei Holger Schumacher ans Herz legen. Wir waren sehr zufrieden und alle anderen Eltern, die auf unsere Empfehlung hin ein Training gebucht haben, konnten das nur bestätigen. Hier gibt es mehr Infos: www.wo-de.info.

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