Affentheater & Wurzelkinder: Das Esslinger Schreiber-Museum


Wir betreten den Aufzug, der uns in den vierten Stock des Schreiber-Museums in Esslingen bringt. Plötzlich erklingt Geigenmusik unter dem Sternenhimmel und als sich die Fahrstuhltüren öffnen, begrüßen uns drei bewegliche Affen mit Musik. Schon viele Male waren wir hier und genießen jedes Mal aufs Neue diesen tierischen Empfang und das besondere Flair dieses schönen, direkt neben der Esslinger Frauenkirche gelegenen Museums.


Was gibt es zu entdecken?

Im Schreiber-Museum sind vor allem Kartonmodelle, Bilderbücher und Originalentwurfszeichnungen sowie Bastelbögen und Natur- und Sachbücher aus der Produktion des Esslinger Verlags J. F. Schreiber ausgestellt. Die Besucher können einen Blick in eine kleine Steindruckerei, in der es noch die originalen Druckplatten aus Stein zu sehen gibt, oder in das Atelier eines Illustrators werfen und erfahren, wie vor 120 Jahren in einem Verlag gearbeitet und gedruckt wurde.

Das wahrscheinlich bekannteste Werk aus dem Schreiber Verlag ist das 1906 erschienene Buch „Etwas von den Wurzelkindern“ von Sybille Olfers, das in der Wurzelhöhle des Museums filmisch erzählt wird. Durch einen kleinen Eingang gelangt man in das Innere der Höhle, wo erst auf einer Leinwand, dann in Leuchtkästen die Geschichte der Wurzelkinder inmitten des Jahreskreislaufs der Natur (vom Aufwachen und Werden im Frühling bis hin zum Verblühen und Vergehen im Winter) erzählt wird.

Auch der eigenen Kreativität sind im Museum keine Grenzen gesetzt: Kinder und Erwachsene haben in der hauseigenen Bastelwerkstatt die Gelegenheit, selbst zu Stift, Schere und Klebstoff zu greifen und zu malen oder Modelle zu basteln. Auch Kindergartengruppen oder Schulklassen sind willkommen, ebenfalls können Kindergeburtstage im Museum gefeiert werden. Für die Kinder gibt es altersgerechte Führungen durch die Welt des Papiers und der Bilderbücher und Modellbauten. Danach wird nach Herzenslust gebastelt und gemalt – die Wurzelkinder oder Rabe Socke für die Kleineren, Gespenster, Drachen, Flugzeuge und Papierschmuck für die Größeren.

Unabhängig von Gruppenveranstaltungen oder Geburtstagen wird an jedem letzten Mittwoch im Monat im Schreiber-Museum gebastelt und Kreatives aus Papier gestaltet. Ob Hund oder Flugzeug – gemeinsam mit Pädagogen erleben die Kinder, was alles aus Papier gemacht werden kann und dürfen ihre Modelle mit nach Hause nehmen.

Für welche Altersklassen ist das Museum geeignet?

Das Museum, besonders die Wurzelhöhle und der Bastelbereich, sind bereits für kleine Kinder ab drei Jahren geeignet. Die Welt des Buchdrucks zu entdecken, ist sicherlich eher für Grundschulkinder und Jugendliche interessant. Ich als Mutter bleibe stets im Museumsshop hängen und verlasse das Schreiber-Museum selten, ohne nicht doch noch ein neues Märchenbuch, Postkarten oder Bastelbögen gekauft zu haben. Die Tochter findet den Bastelbereich natürlich spannend. Mindestens genauso lange, wie wir uns im Museum aufhalten, malt und bastelt sie im Anschluss daran noch oder stöbert in den Büchern. Das Schreiber-Museum ist übrigens sehr familienfreundlich. Kostenlos gibt es Säfte und Wasser, der Eingangsbereich ist großzügig mit Sitzmöglichkeiten und Schließfächern gestaltet und Kinderwagen können problemlos abgestellt werden.

Handpressendrucke von alten Lithographiesteinen

Erwähnenswert sind an dieser Stelle noch die Führungen mit Steindruckermeister Hans Ulrich, beispielsweise am Tag des offenen Denkmals. Dann führt Ulrich an der originalen Lithographiepresse den Steindruck vor und zeigt, wie erst auf Stein gezeichnet und dann vom Stein auf Papier gedruckt wurde.

Nur 500 Meter vom Schreiber-Museum entfernt befindet sich Ulrichs eigene Steindruckerei. Sie ist eine der wenige Werkstätten in Deutschland, in denen Lithographien tatsächlich noch vom Stein und Blatt für Blatt auf der Handpresse gedruckt werden. In Hans Ulrichs Werkstatt finden regelmäßig Seminare und Vorführungen rund um den Steindruck statt, die sehr interessant und kurzweilig sind. Wir haben im vergangenen Jahr, allerdings ohne Kind, an einem Workshop teilgenommen, was großen Spaß gemacht hat. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass solch ein Workshop für Kinder ab 10 Jahren aufwärts geeignet ist.

Übrigens ging der Schreiber-Verlag irgendwann in den Esslinger Verlag über, der heute zur Stuttgarter Thienemann-Verlagsgruppe gehört. Dort kann man auch all die wunderbaren Kinderbuchklassiker wie die Wurzelkinder, die Häschenschule, das kleine Gespenst, den Räuber Hotzenplotz oder den Raben Socke bestellen, die wir zuhause immer wieder gern lesen.

Mehr Infos zum Schreiber-Museum gibt es hier. Hans Ulrich und seine Lithographie-Werkstatt sind natürlich auch im Netz vertreten: www.edition-ulrich.de

 

(Foto Steindruck: © Hans Ulrich)

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