Danke, Sky du Mont!


Nein, Sky du Mont konnte an diesem verregneten Donnerstag mit echtem Hamburger Schietwetter nicht die Treppe nehmen. Er nahm den Fahrstuhl. Eine Begegnung, die mich in meinem Selbstbild stärkte.

Wir checken ein in unserem Hamburger Lieblingshotel. Nach sieben Stunden Autofahrt freue ich mich vor allem auf eins: Den Wellness-Bereich. Beine rasieren? Fußnägel neu lackieren? Alles später, entscheide ich mich faul bis pragmatisch. Und genehmige mir stattdessen einen kleinen Sherry, bevor ich in den weißen Hotelbademantel und die passenden Puschen schlüpfe und ungesehen zum Aufzug husche. Dieser bringt mich in die Katakomben des Hotels, wo ich seit gefühlten sechs Monaten (denn so alt ist unsere Tochter zu diesem Zeitpunkt) endlich einmal wieder in Ruhe saunieren und mich pflegen möchte.

Der gläserne Lift setzt sich in Bewegung. „Hoffentlich steigt niemand zu.“, denke ich noch, als es auch schon Ping macht und der Fahrstuhl einen Stopp in der nächsten Etage signalisiert. Schon von oben kommt mir der große, schlanke Mann im Anzug mit den perfekt sitzenden, graumelierten Haaren bekannt vor. Ich bin kein Sky du Mont-Fan, aber in diesem Moment klopft mein Herz und ich werde tiefrot vom Dekolleté bis zu den Haarwurzeln. Da stehe ich nun in Pantoffeln und Bademantel, mit stoppeligen Beinen, knallroter Birne und wahrscheinlich einer leichten Fahne. Mist. Herr du Mont steigt mit dem Hoteldirektor zu. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mir ein anderes Outfit einfallen lassen.“, scherze ich, nur äußerlich schlagfertig. Sky du Mont, routiniert galant wie aus Fernsehinterviews gewohnt, antwortet: „Verehrteste, Sie sehen ganz bezaubernd aus.“ Danach prusten wir beide los und ich beschließe: „Was soll´s! Einfach abhaken.“

Auf der Abendveranstaltung erkennt mich Sky du Mont nicht wieder. Ob das ein Kompliment ist oder nicht, darüber denke ich an dieser Stelle nicht nach. Bei mir hat unsere Begegnung hingegen Spuren hinterlassen. „Einfach abhaken.“, entscheide ich jetzt oft, bevor ich mir zu viele Gedanken wegen Kleinigkeiten mache. Sollten wir Mamas das nicht im Allgemeinen mehr tun? Die Dinge abhaken und in uns ruhen? Nein, man muss nicht immer mit frisch gewaschenen Haaren beim Einkaufen antreten. Es ist okay, auf High-Heels zu verzichten, wenn Rücken und Füße protestieren und sich nicht mehr verbiegen lassen möchten. Und oft ist die Jogginghose einfach ein geliebtes, vertrautes Kleidungsstück, das uns etwas bequemer durch den Tag bringt.

Durch das Muttersein sind unsere Prioritäten andere geworden. Ich persönlich bin jeden Tag dankbar dafür. Natürlich mache ich mich auch gern schick. Wenn wir ausgehen oder einfach mal so zwischendurch. Und ich bewundere andere Mütter, die die Disziplin haben, trotz der Doppelbelastung Job und Kinder stets top geschminkt und gut gekleidet zu sein. Vielleicht werden sich meine Prioritäten auch wieder in diese Richtung verschieben – irgendwann. Aber momentan bin ich sehr zufrieden damit, nicht mehr überlegen zu müssen, was ich zu einem Meeting anziehen soll oder welche Handtasche besser zu meinen Schuhen aussieht. Ich bin einfach ich. Auch nicht schlecht.

P.S. Nein, leider gibt es kein Selfie von Herrn du Mont und mir. Nur das Bild eines gläsernen Aufzugs in unserem Lieblingshotel in Hamburg.

 

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