2 Monate Familienauszeit in Südost-Asien


Einige Wochen Familienauszeit irgendwo auf der Welt – das war ein Traum, den wir uns schon lange erfüllen wollten. Im Frühjahr 2016 war es soweit: Mitte April erfuhren wir, dass wir unsere Reisepläne verwirklichen konnten. Einige Tage später ging es auch schon los. Acht freie Wochen zu dritt lagen vor uns und wir hatten die Qual der Wahl, wohin wir reisen wollten. Schlussendlich entschieden wir uns für Asien. Denn hier wussten wir, dass wir als Familie in der überwiegenden Zahl der Länder nicht nur sicher reisen würden, sondern dass auch die gute Logistik, die Gastfreundschaft der Asiaten, das tolle Essen, die beeindruckenden Landschaften und die vielseitige Kultur etwas für Herz und Seele sein würden. Grob ins Auge fassten wir Singapur und Bali als definitive Reiseziele, den Rest ließen wir offen.

Nun ging es an die Reisevorbereitungen. Das Packen der Koffer fiel uns leicht, denn da das Thermometer im asiatischen Raum meist auch nachts nicht nennenswert unter die 30 Grad-Marke fällt, konnten wir mit leichtem Gepäck reisen. Einen relativ großen Raum nahm die Reiseapotheke ein. Mit vierjährigem Kind entwickelt man doch ein anderes Sicherheitsdenken, als wenn man als Paar reist. Auch mussten schnell neue Internationale Führerscheine her, da wir auf Reisen meist selbst Auto fahren. Glücklicherweise waren wir bezüglich Impfungen alle drei auf dem neuesten Stand, inklusive einer Hepatitis A- und einer Hepatitis B-Impfung. Eigentlich hatten wir geplant, direkt von Frankfurt nach Singapur zu fliegen. Die Direktflüge erwiesen sich jedoch als sehr teuer. Wir entschieden uns, Sri Lanka als Zwischenstopp einzuplanen. Dafür mussten wir noch ein Touristenvisum organisieren und dann konnte unser Abenteuer losgehen.

Sri Lanka
Nach einem zehnstündigen Flug landeten wir in Colombo. Sri Lanka ist traumhaft schön und die Menschen unglaublich herzlich und freundlich. Wir genossen die wunderbaren Strände und die Berge des Hochlands, das tolle Essen und die Gastfreundschaft vor Ort. Das ganze Land lässt sich sicher per Zug oder aber mit Fahrern, die man teilweise in den Hotels buchen kann oder dort zumindest eine vertrauenswürdige Empfehlung erhält, bereisen. Mit dem Mietwagen selbst umherzureisen ist möglich, jedoch ziemlich anstrengend, da das Verkehrschaos in Colombo sogar das von Bangkok toppt, was schon etwas heißen will. Wir nutzten für kürzere Fahrten gern die Tuk-Tuks und erlebten hier die ein oder andere abenteuerliche Fahrt.

Sri Lanka vereint viele Gegensätze: Endlose Strände und hohe Berge, exotische Tiere zu Wasser und Land, chaotisches Stadtleben und Massagen unter Palmen, Tempel, Kultur und religiöse Vielfalt in friedlicher Koexistenz. In den Hochebenen bieten die Teeplantagen interessante Ausflugsziele und immer wieder zog es uns ans Meer, wo in den frühen Morgenstunden die bunten Fischerboote mit fangfrischem Fisch anlegten. Es gibt Reservate, in denen man Safaris buchen kann und im Süden kommen die großen Meeresschildkröten im April an die Strände, um ihre Eier abzulegen. Auf den Märkten gelangt man mit den Einheimischen schnell ins Gespräch (meist mit Händen und Füßen aber dafür umso herzlicher) und wir lernten an einem Vormittag in einer Art „Cooking Class“ sogar etwas srilankisch kochen. Final ist aus unserem „Zwischenstopp“ ein fast 14-tägiger Aufenthalt geworden und wir hätten noch viel mehr Zeit in Sri Lanka verbringen können.

Singapur

Singapur bildet als kleiner Stadtstaat den Gegenentwurf zum größtenteils noch sehr ursprünglichen Sri Lanka. Dennoch wurden wir sofort mit dieser spannenden Metropole warm und waren begeistert von der Innovationskraft und dem Fortschritt, den Singapur für sich gepachtet zu haben scheint. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, wie wir bereits nach der Landung feststellten. Alles ist perfekt organisiert und wir hatten uns nach Verlassen des Fliegers nur kurz auf einem Indoor-Spielplatz aufgehalten, als wir am Förderband von einer Flughafenmitarbeiterin aufgeregt empfangen wurden, alle Reisenden der Maschine hätten ihre Koffer schon abgeholt, wir seien die letzten. So etwas hatten wir noch nie erlebt – 10 Minuten nach dem Ausstieg werden einem die Koffer hinterher getragen, weil man das Schlusslicht bildet.

Allgemein ist das öffentliche Leben in Singapur durchgetaktet. Dennoch drängelt man sich nie um Taxen oder den besten Platz im Restaurant. Denn egal ob am Flughafen, in Cafés oder bei Sehenswürdigkeiten: In ganz Singapur ist so unglaublich viel Personal beschäftigt, dass es fast nie zu Wartezeiten kommt und alles in einem betriebsamen, aber entspannten, Fluss bleibt. Dazu sind Einheimische wie Expats sehr offen und freundlich – Ein Gesamtpaket, das wir in Deutschland häufig vermissen.

Singapur zählt zu den teuersten Städten der Welt. Doch trotz allen Hightechs und aller Superlative gibt es in in dem kleinen, übrigens sehr grünen, Stadtstaat viele ursprüngliche Ecken, wie Little India, Chinatown oder die Arab Street. Die Straßen sind sauber, die Menschen geschäftig und integriert, die zahlreichen Religionen leben friedlich nebeneinander und selbst nachts fühlt man sich sicher, wenn man allein unterwegs ist. All dieser Komfort fußt natürlich auf der staatlichen Monopolstellung und einem autoritärem Kapitalismus, dessen waren wir uns bewusst. Doch als Familie mit Kind weiß man es einfach zu schätzen, wenn man sicher reisen kann.

Ein weiterer Wohlfühlfaktor sind die tollen Ausflugsziele für Kinder, die Singapur bietet. Sei es Sentosa Island (eine komplette Insel vor den Toren Singapurs, die als Vergnügungspark gestaltet ist), der Jurong Bird Park, der Singapore Zoo, wo man mit Affen frühstücken kann und der zurecht als einer der schönsten Zoos der Welt gilt, weil man eben kaum spürt, dass man sich in einem Zoo befindet, die Gardens by the Bay, das Riesenrad „Singapore Flyer“, von dem aus man in einer halbstündigen Fahrt den tollen Blick auf die Skyline sowie auf hunderte von Container-Schiffen, die in und vor dem Hafen vor Anker liegen, genießen kann, das Hotel-Schiff in der Marina Bay mit seinem Infinity-Pool auf dem Dach oder beeindruckende Tempel in Chinatown oder Little India. Abends gibt es an der Waterfront, die der Treffpunkt von Touristen schlechthin ist, eine tolle Lightshow, die wir uns mehrmals ansahen. Zahlreiche Museen für Jung und Alt sind vorhanden, auf deren Besuch wir aber verzichteten, weil wir jeden Tag so viele andere Dinge unternahmen. Und obwohl Singapur so lebendig und voll ist, haben wir uns auch hier absolut erholt und jede Unternehmung in vollen Zügen genossen.

Indonesien / Bali

Bali ist für die Australier das, was für uns Deutsche Mallorca ist. Dementsprechend trubelig geht es rund um Denpasar und Kuta bzw. am ganzen südlichen Zipfel der Insel zu. Wir trafen unseren lieben Freund und Fahrer Wayan wieder, der uns vor vielen Jahren, damals noch ohne Kind, die Insel gezeigt hat. Mit ihm reisten wir auch jetzt wieder zu interessanten Orten, wie beispielsweise dem Wisnu Cultural Park, an denen die meisten Touristen vorbei geschleust werden. Aber natürlich machten wir unserer Tochter zuliebe auch klassisch touristische Ausflüge, wie eine Tour zum Delfinschwimmen, zum Elefantenreiten etc. Hier gibt es verschiedene Anlagen und seriöse Guides kennen die Parks, in denen die Tiere artgerecht (soweit man das sagen kann) gehalten werden, sprich mit viel Platz und unter relativ natürlichen Bedingungen. Die Begegnungen mit den Tieren waren natürlich ein Höhepunkt unserer Reise. Mit einem Delfin zu schwimmen und diesen zu berühren und zu umarmen, war ein eindrückliches Ereignis. Auch der Kontakt zu den majestätischen, geduldigen Elefanten bleibt unvergessen. Mit ihnen verbrachten wir eine intensive Zeit und durften die Tiere füttern und versorgen, so dass das Reiten durch den Dschungel beinahe sekundär war. Die meisten Elefantenführer sind quasi mit ihren Tieren aufgewachsen und ein Freundschafts- und Arbeitsverhältnis von 20 Jahren und mehr ist hier keine Seltenheit.

Zu unseren Highlights gehörten auch klassische touristische Ziele, wie eine Wanderung zu den Gitgit-Wasserfällen, ein Besuch der Kaffee- und Reisplantagen im Norden, ein Ausflug zum Meerestempel Tanah Lot (je nach Uhrzeit und Wasserstand touristisch völlig überlaufen) und zu Balis Muttertempel Pura Besakii. Tagsüber hielten wir uns eigentlich kaum am Strand auf, wenngleich es im Norden und Nordosten wunderschöne, recht unberührte Strände gibt. Unsere Strandzeit war jedoch der Abend, wenn Einheimische und Touristen den Tag mit Essen und Trinken am Wasser ausklingen lassen, traditionelle Tänze aufgeführt werden und die Sonne in einem beeindruckenden Schauspiel im Meer versinkt. Schönere Sonnenuntergänge als auf Bali haben wir während unserer ganzen Reise nicht erlebt und werden uns sicher immer an die einmaligen Farben des Himmels, an den in allen Goldschattierungen strahlenden Sand und das Tosen der wilden und bei Surfern so beliebten Wellen erinnern.

Thailand

Den Rest unserer Reisezeit verbrachten wir in Thailand. Hier bewegten wir uns mit dem Mietwagen in einem großen Radius – von Bangkok über Pattaya bis Koh Chang, von Ayutthaya über Sukhothai nach Chiang Mai und über Hua Hin bis hinunter in den Süden nach Khao Lak und Krabi. Die vielen Highlights auf dieser Rundreise kann man eigentlich kaum benennen. Einige davon waren sicherlich der Königspalast in Bangkok sowie der Tempel des Smaragd-Buddhas, die geschichtsträchtige Brücke am Kwai, die Tempelruinen von Sukhothai und die endlosen, einsamen Strände des Naturreservats Wanakon Beach südlich von Hua Hin.

Immer wieder knüpften wir nette Kontakte zu Einheimischen, besuchten mit ihnen die Fischerdörfer und Märkte und durften einmal dabei sein, als ein Dorfbewohner in einer großen Tempelzeremonie zum Mönch berufen wurde. Auch ein eher zufälliger Ausflug nach Myanmar, dem ehemaligen Birma, erwies sich als kleines Abenteuer. An Thailands schmalster Stelle gerieten wir, auf der Suche nach einem Aussichtspunkt, in das Hoheitsgebiet der Militärs von Myanmar, die uns natürlich sofort kontrollierten. In unserem Gepäckchaos fanden wir unsere Reisepässe nicht und hatten Glück, dass sich die Soldaten, die freundlich waren und kein Wort Englisch sprachen, mit unseren Internationalen Führerscheinen zufrieden gaben. Wir durften passieren und verbrachten einen wunderbaren Nachmittag in den Bergen mit Blick auf den Ayeyarwaddy River.

Ebenso wie in den anderen Ländern genossen wir die Gastfreundschaft der Thailänder und ihr unkompliziertes, freundliches Wesen. Kein Problem bleibt hier ungelöst, egal, welches Anliegen man hat. Nur nach dem Weg fragen sollte man lieber nicht. Zumindest haben wir diese Erfahrung mehrfach gemacht. Denn falls ein Thailänder den Weg selbst nicht kennt, würde er es als unhöflich empfinden, keine Auskunft geben zu können. Also gibt man charmant kichernd in radebrechendem Englisch lieber irgendeine Antwort als gar keine. Und so konnte es durchaus passieren, dass wir zu ein und derselben Frage nach dem Weg ganze sechs unterschiedliche Angaben erhielten, wie wir am Besten zum Ziel kämen.

Wir als Familie

Vor Antritt unserer Reise hätten wir uns wohl nicht vorstellen können, dass diese acht Wochen Familienauszeit so harmonisch und stressfrei verlaufen würden. Doch was genau hat dazu beigetragen? Zum einen sicherlich die Tatsache, dass wir uns keine Ziele gesteckt haben. Wir wussten zwar immer um alle Sehenswürdigkeiten, haben diese aber nur wenn es zeitlich passte und jeder von uns dreien Lust hatte, angesteuert. Verabredet hatten wir ebenfalls, dass wenn unsere Tochter ihren deutschen Alltag zu sehr vermissen würde, wir unser Abenteuer abbrechen würden – auch wenn dies nach zwei Wochen der Fall gewesen wäre.

Ganz bewusst haben wir uns während der kompletten Reise primär den Bedürfnissen unserer Tochter angepasst und versucht, einen gesunden Mix aus Faulenzen und Aktivitäten zu finden. Auch sind wir mindestens ein paar Tage an ein und demselben Ort geblieben, denn wir wollten keine Hektik aufkommen lassen. Wir haben allzu lange Autofahrten vermieden, wenngleich wir gerade in Thailand dann doch einige tausend Kilometer mit dem Auto gefahren sind. Glücklicherweise ist unsere Tochter seit jeher eine geduldige Reisende und überbrückt stundenlange Auto- oder Zugfahrten mit Malen, Rätseln, aus dem Fenster schauen oder Hörbuch hören. Hier hat uns der Besitz eines Ipods gerettet. Ganz bewusst habe ich auch „etwas Deutschland“ mit in den Urlaub genommen: Gewohnte Spiele und Kuscheltiere, dazu viele neue Bücher und neue Bastelsachen.

Vor Antritt der Reise hatten wir uns manchmal gefragt, ob sich unsere Tochter nach einiger Zeit nicht mit uns langweilen würde. Gott sei Dank war das Gegenteil der Fall. Mit großer Freude war sie bei allen Unternehmungen dabei und wir hatten sogar den Eindruck, dass ihr Alter positiv zum Gelingen der Reise beigetragen hat: Mit ihren knapp 5 Jahren war sie alt genug, um viel verstehen und aufnehmen zu können und gleichzeitig setzte sie noch keine eigenen Prioritäten und stellte unsere Entscheidungen nicht in Frage. Jede Aktivität war ein neues Abenteuer für sie, dem sie völlig offen und ohne Diskussionen gegenüber stand. Sie hat auf der Reise ganz ohne Zwang angefangen, Englisch zu sprechen und ist in vielen Dingen noch unkomplizierter geworden als zuvor. Das war eine tolle Erfahrung, mit deren Eintreten wir so nicht gerechnet hätten und wir sind als Familie in diesen zwei Monaten Auszeit nochmals enger zusammengerückt. Zudem sind wir alle gesund geblieben, was sicher auch ein entscheidender Faktor gewesen ist, der zum Gelingen der Reise beigetragen hat.

 Logistik

Für uns hat es sich als perfekt erwiesen, nicht zu viel im Vorfeld zu planen. Das spontane Buchen von Flügen und Hotels via Internet oder vor Ort (oft sind die sogenannten Walk In-Rates in Hotels unschlagbar günstig) war genau richtig. Unsere Mietwagen haben wir nach Landung spontan am Flughafen gebucht und konnten sie später unkompliziert in anderen Städten wieder abgeben. Ebenso haben wir unsere Route relativ offen gelassen. So hatten wir beispielsweise auf Bali überlegt, spontan nach Vietnam weiterzufliegen, nachdem wir lustigerweise Tür an Tür mit einer Cousine John Lennons gewohnt hatten, die uns eine Reise nach Vietnam wärmstens empfahl. Gern hätten wir auf dem Rückweg auch einen Stop in Paris eingelegt, bekamen hier aber keinen passenden Flug. Aber allein das Gefühl der Freiheit, ungebunden herumreisen zu können, war Gold wert. Und machte mir persönlich das Einleben zurück in Deutschland unglaublich schwer. Denn plötzlich gab es kein Vorwärts, kein Aufbrechen zu neuen Ufern mehr, es gab gefühlt „nur“ ein Zurück. (Unsere Tochter marschierte einen Tag nach unserer Rückkehr auf eigenen Wunsch in den Kindergarten und hatte überhaupt kein Problem mit dem raschen Ortswechsel, der Zeitumstellung usw.).

Beim Rückflug von Bangkok nach Frankfurt hatten wir uns übrigens für einen Nachtflug entschieden. Da dieser erst um 23.30 ging, machten wir uns Gedanken, wie wir diese Rückreise am sinnvollsten gestalten konnten. Und entschieden uns dafür, für 20 Euro einen Buggy in einem großen thailändischen Supermarkt zu kaufen. Als unsere Tochter gegen 21 Uhr müde wurde, setzten wir sie in den mit einem Nackenkissen verlängerten und zugegebenermaßen nur noch knapp „passenden“ Buggy, legten ein leichtes Strandtuch über den Wagen und hatten selbst die Hände frei für den Check-In und die Sicherheitskontrollen, was uns enorm entspannte. Hätten wir es vorher nicht schon einigermaßen beherrscht – das Improvisieren hätten wir auf unserer Asien-Reise definitiv gelernt.

+ Keine Kommentare vorhanden

Kommentar verfassen